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Redaktionsschluss 14. Januar 2013
Wir gratulieren unseren Mitgliedern.
Zum 50. Geburtstag: Klaus Westermann (Bremen) am 30. 6. Zum 60. Geburtstag: Elke
Rehder (Barsbüttel) am 4. 5., Jens Henkel (Rudolstadt) am 31. 5. Zum 65.
Geburtstag: Gert Henning (Hamburg) am 9. 1., Christoph Seifert (Halle/Saale) am
15. 4., Josef Wernes (Berlin) am 30. 4., Dr. Renate Göbel (Berlin) am 27. 5.,
André Lefeber (Schollene) am 31. 5., Ninon Suckow (Berlin) am 11. 6. Zum 70.
Geburtstag: Peter Zitzmann (Nürnberg) am 22. 4., Dr. Hans-Jürgen Viehrig
(Leipzig) am 26. 4., Uwe Domke (Berlin) am 4. 5., Ulrich Keicher (Leonberg) am
27. 5. Zum 75. Geburtstag: Dieter Kuhlmann (Oberhausen) am 8. 4., Dr. Gert Römer
(Leipzig) am 10. 4., Dr. Eugenio Pino (Brüssel) am 12. 5., Dr. Fritz Jüttner
(Berlin) am 1. 6., Hans-Jürgen Wilke (Berlin) am 16. 6., PD Dr. med. Helmut
Sorger (Leipzig) am 23. 6. Zum 81. Geburtstag: Prof. Albrecht von Bodecker
(Berlin) am 27. 4. Zum 82. Geburtstag: Harald Kretzschmar (Kleinmachnow) am 23.
5., Dr. Thomas Kaemmel (Berlin) am 15. 6. Zum 84. Geburtstag: Kristian Bäthe
(Filderstadt) am 29. 6. Zum 85. Geburtstag: Heinz Wegehaupt (Berlin) am 14. 6.
Neue Mitglieder:
Dr. Wolfram Benda, Literaturwissenschaftler, Übersetzer, Verleger (Bay-reuth).
Eckehard Decker, Oberstudienrat i. R. (Bielefeld). Jörg Fischer, Rentner
(Odenthal). Dr. Ronald Weser, Arzt (Forst).
Mitgliederversammlung 2013. Die
diesjährige Mitgliederversammlung findet am 7. Juni 2013 um 19.00 Uhr im Hotel
„The Royal Inn Regent“ statt.
Der Vorstand lädt dazu alle Mitglieder herzlich ein.
Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht des
Vorsitzenden. 2. Kassenbericht des Schatzmeisters. 3. Entlastung des Vorstandes.
4. Neuwahl des Vorstandes. 5. Verschiedenes.
Neuwahl des Vorstandes.
Da WK von einem Vorstandsmitglied heftig persönlich angegriffen
wurde und da er sich von Vorstandsmitgliedern nicht unterstützt fühlte, hat er
zum Jahrestreffen 2013 seinen Rücktritt als Vorsitzender angekündigt. Kurz
danach trat Peter Arlt aus dem Vorstand zurück. Aus diesem Grund ist beim
Jahrestreffen eine Neuwahl des Vorstandes, vor allem des Vorsitzenden, notwendig
geworden.
W. K.
Vorstand der Pirckheimer-Gesellschaft.
Der Vorstand teilt mit, daß Prof. Dr. Peter Arlt mit Wirkung vom 16. Januar 2013
auf eigenen Wunsch aus dem Vorstand ausgeschieden ist. Der Vorstand hat in einem
Schreiben Prof. Arlt für seine mehrjährige Mitarbeit gedankt und der Hoffnung
Ausdruck gegeben, daß die Gesellschaft weiterhin mit dem Rat und der Tat des
Mitglieds rechnen darf. Auch der Rücktritt des Vorsitzenden Dr. WK
wird von den Mitgliedern des Vorstands zutiefst bedauert. WK hat
sich seit über zwölf Jahren um die Pirckheimer-Gesellschaft mit großem
persönlichem Einsatz verdient gemacht. Der Vorstand hofft, daß sich bei der im
Juni stattfinden Mitgliederversammlung zwei engagierte Mitglieder zur Mitarbeit
im Vorstand bereit erklären.
FP
Einblicke in die Aldinen-Sammlung.
Die Erwartung war spürbar, als sich die Berlin-Brandenburger Pirckheimer am 25.
Oktober 2012 im Rara-Lesesaal der Staatsbibliothek Unter den Linden zu einer
Begegnung mit der kostbaren Aldinen-Sammlung trafen, die Andreas Wittenberg
präsentierte. Ausgewählte Schätze lagen bereit, begleiteten, ja beglaubigten den
beeindruckenden detailreichen Vortrag des Referenten aufs Schönste. Ein kleiner
Exkurs in die 350jährige Geschichte der Staatsbibliothek, der heute größten
wissenschaftlichen Universalbibliothek Deutschlands, bot den Rahmen für die
Schätze der Abteilung Historische Drucke mit ihren zahlreichen Sondersammlungen,
wozu eben auch die bedeutende Aldinen-Sammlung gehört.
Interessiert folgten die Zuhörer den Lebensgeschichten
des berühmten Aldus Manutius und seiner Nachfolger, des Sohnes Paulus und des
Enkels Aldus des Jüngeren, die ihre Offizin in Venedig von 1496 bis 1597 über
reichlich 100 Jahre hinweg führten und Drucke lateinischer und griechischer
Klassiker von hoher Qualität und Sorgfalt lieferten, darunter knapp 30
Erstausgaben. So erschien 1495-1498 die erste Aristoteles-Ausgabe in fünf Bänden
und 1501 eine Vergil-Ausgabe, beide in kursiver Antiqua, einer Schrift des
Francesco Griffo aus Bologna, die in vielerlei Varianten für die Drucke der
Offizin charakteristisch wurde, ebenso wie die Druckermarke aus dem Jahre 1502,
ein Anker umschlingenden Delphin (Anmut und Sicherheit) zeigend. Aldus Manutius
(ca. 1450-1515) gilt heute als einer der bedeutendsten Drucker der italienischen
Renaissance. Sein Qualitätsanspruch umfaßte sowohl das sprachliche Niveau wie
das Erscheinungsbild der Drucke. Seine Verdienste um die Druckkunst und die
Entwicklung der Schrift, für die Einführung der Interpunktion und die
Praktikabilität von Büchern sind unbestritten. Dabei war Aldus durchaus auch ein
findiger Geschäftsmann, der mit Reklameanzeigen und Preisangaben arbeitete, um
seinen Absatz zu steigern.
Abbildungen sind in den Aldinen äußerst selten, und so
führte Andreas Wittenberg voller Stolz uns Staunenden eine berühmte Ausnahme
vor, einen „Paukenschlag“ aus dem Jahr 1499, oft als „schönstes illustriertes
Buch“ der Renaissance bezeichnet: die Hypnerotomachia Poliphilii. Auch eine
Ausgabe von 1545 lag bereit. Das ist die Liebestraumgeschichte von Poliphilios
und seiner Geliebten Polia, die Rahmenhandlung für detailreiche Beschreibungen
zauberhafter Orte, für versteckte Rätsel, für Gedankenspiele und technische
Phantasien, getragen von der Verherrlichung antiker Ideale. Rätselhaft blieb
lange vieles, auch den Autor „entdeckte“ man erst im 18.Jahrhundert, einen
Dominikanerpater aus Venedig. Bewundernswert an diesem Druckwerk ist neben der
Typographie und den Holzschnitten „vor allem die harmonische Abstimmung zwischen
Text und Bild.“ 1846
besaß die Bibliothek bereits 270 Aldinen, ein Jahr später indes waren es schon
mehr als 1000. Hinzugekommen waren die Aldinen aus der legendären Sammlung des
Etienne de Mejan, die nach dessen Tod der Sohn geschlossen für 64 000 Taler der
Berliner Bibliothek überließ. Damit wurde sie die an Aldinen reichste Bibliothek
Deutschlands. Mejan, 1766 in Montpellier geboren, Jurist, Anhänger der
Französischen Revolution, arbeitete ab 1804 für Eugene Beauharnaise, den
Stiefsohn Napoleons, der Vizekönig von Italien wurde und später durch Heirat als
Herzog von Leuchtenberg in Bayern residierte. Mejan war ein leidenschaftlicher
Büchersammler, mehr als 14 000 Bände verschiedenster Gebiete hatte er
zusammengetragen. Seine Aldinen ließ er von den besten Buchbindern der Zeit
einbinden, unter anderem von den französischen Brüdern Bozerian (ca. 287
Einbände) und von dem Italiener Lodigiani (ca. 50 Einbände). Durchweg in
Maroquin gewandet, die Vorsätze meist aus Seide oder Marmorpapier, bestechen die
Einbände auch durch Farbgebung und Vergoldung. Besonders bewundert wurde von den
Anwesenden etwa die meisterliche Stehkantenvergoldung, Dekor auf kleinstem Raum.
– Wittenberg spricht vom „absoluten Alleinstellungsmerkmal“ der kostbaren
Einbände der Aldinen in der Berliner Bibliothek.
Den Zweiten Weltkrieg überstand die Aldinensammlung
relativ verlustlos. Die meisten ausgelagerten Depots kamen zurück und sind seit
1992 in der Abteilung Historische Drucke wieder vereint. 171 Bände allerdings
befinden sich in Krakau. – Ganz am Schluß verriet der Referent, daß die
Staatsbibliothek heute 843 Drucke in 1150 Bänden verwahrt. Die versam-melten
Bücherfreunde hatten wohl eine Sternstunde erlebt.
Ursula Lang
Jürgen Rennert in Lyrik und Prosa.
Die Berlin-Brandenburger Pirckheimer waren am 22. November 2012 zu Gast im
Friedrichshagener Antiquariat Brandel. Jürgen Rennert las veröffentlichte und
unveröffentlichte Texte aus vier Jahrzehnten. In den gediegenen Räumen entsteht
mit dem Beginn der Lesung immer eine nahezu familiäre Atmosphäre.
Rennert, geb. 1943, war zunächst elf Jahre als
Werberedakteur beim renommierten Verlag Volk & Welt (1964-1975) tätig. Sein
Talent für Sprache und deren Rhythmus entfaltete sich, indem er sich intensiv
mit der Lyrik von Friedrich Hölderlin, Heinrich Heine und Gottfried Benn, den
protestantischen Chorälen von Paul Gerhardt (1607-1676) und Johann Walter
(1496-1570), aber auch den Versen von Wilhelm Busch und Günter Kunert
beschäftigte. Die Vita verzeichnet bis 1990: freischaffender Lyriker, Essayist,
Nachdichter, Übersetzer. In dieser Zeit erschienen seine wichtigsten Dichtungen:
Märkische Depeschen (1976), Ungereimte Prosa (1977), Hoher Mond (1983),
Angewandte Prosa (1983), Der Gute Ort in Weißensee (1987). Heutige Großeltern
erinnern sich gern an Emma, die Kuh –und anderes dazu (1981) und begeistern auch
ihre Enkel dafür. Mit
dem von Rennert initiierten Bild/Text Band Dialog mit der Bibel (Verlag
Evangelische Haupt-Bibelgesellschaft zu Berlin und Altenburg, Konzeption
Kunstdienst der Evangelischen Kirche Berlin, 1984) gelang eine verlegerische
Glanzleistung dieser Zeit. Schon der spektakuläre Schutzumschlag mit Gerhard
Altenbourgs farbstarker Kreuzigung von 1969 auf schwarzem Grund
(Aquarell/Tempera) sprang ins Auge. Textpassagen aus dem Alten und dem Neuen
Testament waren mit 76 christlichen Themen von meist namhaften Malern und
Graphikern aus der DDR vereint (u.a. Altenbourg, Cremer, Dix, Hahs, Hegenbarth,
Jüchser, Kretzschmar, Mattheuer, Metzkes, Naumann, Sagert, Tübke). Zu jedem
dieser 76 Text-Bild-Arrangements verfaßte Jürgen Rennert eigenständige, ganz
heutige Interpretationen. Seine literarischen Leistungen wurden mit dem
„Heinrich-Heine-Preis“ (1979) und mit der „Ehrengabe der deutschen
Schillerstiftung“ (1991) gewürdigt. Zusammen mit Jalda Rebling und Stefan
Schreiner rief er 1987 die „Tage der Jiddischen Kultur“ in Berlin (Ost) ins
Leben. Von 1990 bis zu dessen Liquidierung durch die Kirchenverwaltung im Jahre
2001 war er festangestellter Mitarbeiter und stellvertrender Leiter des
Evangelischen Kunstdienstes.
Nach langer, den neuen Verhältnissen geschuldeten
Pause gelangte 2001 der Gedichtband Verlorene Züge (Lyrikedition 2001,
Norderstedt) auf den Buchmarkt. Im Klappentext schreibt Richard Pietraß: „… mit
hintersinnigen Gedichten für frühreife Kinder und alterslose Erwachsene sprang
er aus dem Rahmen des Erwarteten. Gegen den Strich dichtete er auch später.
Dafür ließ er sich gern abbürsten: poetischer Nachfahr so ungleicher Ahnen wie
Heine und Benn, ihnen nicht nachstehend in der Lust an politischer Provokation
und ästhetischem Schock …“ Im Band findet sich eine eindrucksvolle
Ortsbestimmung: „Mein
Land ist mir zerfallen. / Sein’ Macht ist abgetan. / Ich hebe, gegen allen /
Verstand, zu klagen an. // Mein Land ist mir gewesen, / Was ich trotz seiner
bin: / Ein welterfahrenes Wesen, / Mit einem Spalt darin. // Mein Land hat mich
verzogen, / Und gehe doch nicht krumm. / Und hat mich was belogen, / Und bin
doch gar nicht dumm …“
Die vorgetragenen Texte verband Jürgen Rennert mit pointierten Erinnerungen,
verschwieg auch die Enttäuschungen seines Lebensweges nicht, immer mal wieder
mit erhobener Stimme und temperamentvollen Gesten. Es gab ein lebhaftes Frage-
Antwort-Spiel. Als krönenden Abschluß las der Dichter seinen mit drastischen
Wortfindungen versehenen Klappentext zu dem kleinen Heftchen Die Versöhnungstür
von Siegfried Krepp am Südportal des Berliner Domes von Heinz Hoffmann
(Kunstdienst Libelli, 2005) und die Weihnachtsgeschichte der Christen nach den
Evangelisten Lukas und Matthäus von J. R. in Reime gesetzt. Ein spannenender
vergnüglicher Abend, der im Gedächtnis bleibt.
Robert Wolf
Erwerbungen und Sammlerfreuden 2012 in Berlin.
Wie in jedem Jahr versammelte sich auch 2012 eine große Zahl von Mitgliedern und
Gästen in der von Johanna Binger geführten Büchergilden-Buchhandlung am
Wittenbergplatz, um nach kurzem Rückblick auf das abge-laufene und Ausblick auf
das kommende Jahr Erwerbungen und Sammlerfreuden vorzustel-len. Robert Wolf
begrüßte alle Anwesenden und hob in seinem persönlichen Rückblick auf die zehn
für gut und niveauvoll befundenen Pirckheimer-Veranstaltungen 2012 vier Abende
ganz besonders hervor: Künstlergrüße und Künstlerbriefe in unseren Sammlungen,
in der insbesondere Jutta Osterhof zahlreiche Beispiele ihrer persönlichen
Beziehung zu Künstlern präsentieren konnte; Von Auriol bis White. Französische
und englische Gebrauchsgraphik um 1900, einen reichhaltig bebilderten Vortrag
von Dr. Anita Kühnel in der Kunstbibliothek; die Exkursion nach Dresden und zu
Hermann Naumann und nicht zuletzt die Vorstellung der Künstlerbücher mit
Radierungen und Wasserzeichen von Barbara Beisinghoff.
Besonderer Dank für den regelmäßigen und pünktlichen
Versand der MARGINALIEN ging an Jutta Osterhof, Hans-Jürgen Wilke und das
Ehepaar Inge und Gunter Eckert, das sich die-ser Aufgabe bereits seit 1990
angenommen hat. Dank ging auch an die Organisations-„Doppelspitze“ der
Berlin-Brandenburger Pirckheimer, Ursula Lang und Robert Wolf, deren
Programmgestaltung guten Zuspruch bei Mitgliedern und Gästen fand und damit
einen fun-damentalen Beitrag zum Bestehen der Pirckheimer-Gesellschaft leistete.
Aus dem Programm für das Jahr 2013 fanden die
November-Lesung des Büchner-Preisträgers Volker Braun im Friedrichshagener
Antiquariat Brandel ebenso wie der Vortrag von Carsten Wurm, der als Sammler von
Erstlingswerken deutscher Literaten des 20. Jahrhunderts das letzte Werk des
Verlags Faber und Faber mit herausgegeben hat, als auch die Besichtigung des
Berliner Dom-Archivs mit Führung und die Exkursion im September nach Brandenburg
und Lehnin besondere Erwähnung.
Mit der Vorstellung von Neuerwerbungen begann Robert
Wolf, der Punzenstiche des in Dresden besuchten Hermann Naumann zeigen konnte,
ebenso wie einen auf dem Trödelmarkt erworbenen Reineke Fuchs mit Lithographien
von Kurt Steinel. Die von WK ge-zeigte Graphik wurde über das
Internet erworben und weist einen Bezug zur Büchergilde auf: Das Blatt war mit
„undeutlich signiert“ und dem Titel Brücke in … eingestellt worden, stellte sich
aber bei genauerer Betrachtung als Farblithographie Büchergilde in Connemara von
Gertrude Degenhardt heraus. Auch die Vorzugsausgabe von Karl Rössings
Ulenspiegel konnte seine Sammlung bereichern. Ralf Parkner konnte im Nachgang zu
seinem MARGINA-LIEN-Artikel über Christoph Meckel ein Buch aus dem
Oberbaum-Verlag aus dem Jahr 2004 zeigen, das bei Argumentum in Budapest gegen
den Willen des Autors Meckel gedruckt wor-den war. Daraufhin meldete sich
Wolfgang Jeske zu Wort, der ein ebensolches Exemplar aus dem Jahr 2005 besitzt,
und berichtete über die Hintergründe, nämlich das eigenmächtige Handeln des
Verlegers Heinrichs, der den Oberbaum-Verlag 1985 übernommen hatte. Hans-Jürgen
Wilke konnte Sammlerfreuden genießen, als er zufällig einen illustrierten
Reiseführer wiederfand, den Conrad Felixmüller im Jahr 1963 für ein Berliner
Ehepaar verfertigt hatte, mit dem er eine mehrtägige Fahrt nach Dresden, Meißen,
Bautzen unternahm. Carsten Wurm brachte im Gedenken an den unlängst verstorbenen
Gerhard Lahr die mit Einzeichnungen versehenen Bücher Die Geschichte vom
Mäuseken Wackelohr und Antonella und sogar einen Büchersendungs-Briefumschlag
mit Einzeichnungen Gerhard Lahrs mit. Außerdem konnte er seine Sammlung von
Erstlingswerken und Widmungsexemplaren um Jens Sparschuhs Wald-wärts aus dem
Verlag Der Morgen von 1985 erweitern. In Ursula Langs Heimatort Beeskow gibt es
nun seit 20 Jahren den „Burgschreiber“. So konnte sie aus dem Kinderbuch der
Burgschreiberin Anja Tuckermann Familie Merkwürdig und Familie Unglaublich
machen eine Dampferfahrt zwei Geschichten vorlesen, die für sie eine Huldigung
der Intelligenz und Coolness von Kindern zeigen. Aus der Pariser Lust, einem
Bändchen mit Liebesgedichten von Richard Pietraß, las sie – zum Amusement der
Zuhörer – das erste vor. Und da die Insel-Bücherei 2012 ihr hundertjähriges
Bestehen begehen konnte, feierte Ursula Lang dies mit dem Kauf des Bandes 1369
Hirngefunkel. Gerhard Rechlin erfreute sich und die Pirckheimer durch Zeigen des
Buches Eulengetier. Die klugen Vögel der Ruth Tesmar, das in einer Auflage von
lediglich fünf Exemplaren erschienen ist.
Fritz Jüttner stellte seine erste und seine letzte
Erwerbung des Jahres 2012 vor. Bei der Ersterwerbung handelte es sich um ein
fünfbändiges Werk von Karl-Friedrich Kramer über seinen Freund Klopstock. Das
zuletzt erstandene Werk stammte vom Veranstaltungstag: Es ist die Begleitschrift
zur Ausstellung 100 Jahre Insel-Bücherei, die Jüttner als Erster, kurz vor dem
offiziellen Verkaufsbeginn, erwerben konnte. Als letzter stellte Konrad
Hawlitzki drei Neuerwerbungen vor, die sein Sammlerherz beglückten: Ein auch am
Veranstaltungstag in der Büchergilde gekauftes Buch von Robert Gernhardt, der an
eben diesem Tag 75 Jahre alt geworden wäre und aus dessen Buch Wenn schöne
Frauen morgens sich erheben er deshalb ein Gedicht vorlas. Außerdem erfreute er
sich mit der Geschichte der Frankfurter Schule Die Kritiker der Elche waren
früher selber welche und der Weihnachtsausgabe der Zeitschrift Pardon von 1965,
in der u. a. ebenfalls ein Beitrag von Robert Gernhardt zu finden ist. – Zum
Abschluß sprach Robert Wolf allen Mitwirkenden an allen Orten zu allen Zeiten
für alle Bei-träge seinen Dank aus.
Maria Karg
Der Maler und Graphiker Hermann Schenck.
Jubiläen sind immer ein guter Anlaß, sich an verdienstvolle Persönlichkeiten zu
erinnern, die von der Nachwelt fast vergessen sind. Zu ihnen gehört der
hallische Maler Hermann Schenck, dessen 100. Todestag am 9. Oktober 2012 auch
von der kulturell aufgeschlossenen Öffentlichkeit der Stadt nahezu unbeachtet
geblieben ist. Doch wurde diesem einst in Halle bekannten und beachteten
Künstler dank der unermüdlichen Initiativen unseres Mitgliedes Dr. Walter Müller
zuteil, dessen würdigender Bildvortrag über Hermann Schenck im Mittelpunkt des
Veranstaltungsabends der hallischen Pirckheimer am 30. Oktober stand.
Auch wenn die künstlerische Wertschätzung Schencks
kaum über die Grenzen seiner Heimatstadt, in der er auch bis zu seinem Tode
lebte, hinausging, so ist seine Bedeutung für die Kultur- und Stadtgeschichte
Halles unbestritten groß. Neben Künstlern wie Albert Grell (1814-1891) und
später Hans von Volkmann (1860-1927) war es vor allem Hermann Schenck, der in
seinen Zeichnungen, Aquarellen und Lithographien das Bild des von den
Verände-rungen der Neuzeit immer stärker bedrohten mittelalterlichen Halle
festhielt. Eine
akademische künstlerische Ausbildung hatte der am 16. März 1829 in Halle
gebore-ne Hermann Schenck nicht. Seine soziale Herkunft erlaubte ihm nur einen
einfachen Real-schulabschluß, dem sich eine vierjährige Lehre in einer
lithographischen Anstalt anschloß. Be-reits in diesen frühen Jahren um 1847
entstanden Federzeichnungen von Halles Altstadt, die heute als wertvolle
Bilddokumente dieser Zeit im Archiv der Stadt bewahrt werden.
Gesellenwanderungen und der Militärdienst führten ihn für einige Jahre von Halle
fort. Späte-stens 1855 aber war er wieder zurück und wurde Mitarbeiter, bald
danach schon Teilhaber und schließlich Inhaber der lithographischen Anstalt A.
Meyer, einer bekannten Steindruckerei in Halle. Mehrmals wechselte sein
Unternehmen, die nunmehr „Lithographische Kunst-Anstalt“ in Halle, ihren
Standort. Neben den Aufgaben als Firmenchef hatte Schenck ständig auch
bildkünstlerische Arbeiten zu bewältigen. Besonders die Gelehrten der
Universität, Natur- und Geisteswissenschaftler, forderten ihn gleichermaßen.
Männer wie der Landwirtschaftswissenschaftler Julius Kühn, der Chirurg Richard
von Volkmann oder der Archäologe Carl Robert gehörten zu seinen Auftraggebern.
Obwohl es sich hier vorrangig um Abbildungswerke handelte, die heute
photographisch erstellt werden würden, weist seine einfühlsame und detailgetreue
Erfassung der Objekte auf seine großen künstlerischen Fähigkeiten. Einer großen
Öffentlichkeit wurde Schenck bekannt durch seine Lithographien, die er zu der
1889-1893 erschienenen, dreibändigen Geschichte der Stadt Halle von Gustav
Friedrich Hertzberg schuf.
Trotz seines umfangreichen Aufgabenfeldes blieb seine
finanzielle Situation angesichts der immer größer werdenden Familie stets
angespannt. Eine feste Anstellung als Zeichner und Zeichenlehrer an der
Friedrichsuniversität in Halle schaffte ihm zumindest eine Erleichterung. Von
1870 bis zu seinem 83. Lebensjahr, also bis fast zu seinem Tode, erfüllte er
hier seine Aufgaben. Noch mit 71 Jahren erhielt er den Professorentitel. Hermann
Schenck starb am 9. Oktober 1912 in Halle, wo er auch begraben worden ist.
Ein Werkverzeichnis Hermann Schencks zu erstellen, ist
schwierig. Zu unterschiedlich waren die in seinem langen Leben an ihn gestellten
Aufgaben vor allem im gebrauchsgraphi-schen Bereich. So ist hier vieles noch
unentdeckt oder verschollen. Die von ihm erhaltenen hallischen Bilddokumente
aber sichern ihm einen bleibenden Platz in der Geschichte der Stadt. Und diese
Dokumente fesselten auch die Besucher des Abends und erweckten bei vie-len ein
Erstaunen darüber, wie sich ihre Heimatstadt Halle in den letzten 150 Jahren
verändert hat. S hat wie schon so oft auch an diesem Abend Walter Müller seine
Zuhörer um viele interessante Kenntnisse bereichert.
Ute Willer
Grimms Märchen in Halle.
Die letzte Veranstaltung der halleschen Pirckheimer im Jahre 2012 war den
Brüdern Wilhelm und Jacob Grimm und natürlich aus Anlaß des Erscheinenes der
ersten Ausgabe der Kinder- und Hausmärchen im Dezember 1812 (1. Band, 2. Band
1813) besonders diesen gewidmet. Die Kunsthistorikerin (und Buchhändlerin ...),
unser lang-jähriges Mitglied Dr. Ute Willer hatte das waghalsige Unternehmen auf
sich genommen, Die Bilderwelt der Märchen von der ersten illustrierten Ausgabe
mit sieben Kupferstichen eines Bruders der Herausgeber – Ludwig Emil Grimm –
1825 über die Zeiten bis in die unmittelbare Gegenwart zu verfolgen. Es sei
gleich vorweg gesagt – es ist ihr auf faszinierende Weise gelungen, die Komplexe
Kunstgeschichte, Künstlergeschichte, Buchgeschichte und allgemeine
Illustrationsgeschichte immer in Bezug zu den Grimmschen Märchen darzustellen.
Daß die große Besucherschar bei alldem nicht einfach in Namen und Zahlen und
Definitionen erstickte, war nach einem kurzen einleitenden Vortragsteil der
Vielzahl der von ihr mit Bedacht ausgewählten und gut kommentierten Lichtbilder
geschuldet. Ute Willer hatte sich dafür einige der bekanntesten und beliebtesten
Märchen vorgenommen wie Hänsel und Gretel, Der Froschkönig, Aschenbrödel, Der
Wolf und die sieben Geißlein usw. und an deren Beispiel die Illustrationen
verschiedener Künstler dann in zeitlicher Abfolge vorgeführt.
Allein die genannte
erste illustrierte Ausgabe hat 23 Auflagen erfahren, was für die schnelle
Beliebtheit und daraus resultierende Verbreitung der Märchen spricht, unabhängig
davon, daß es Wilhelm und Jacob Grimm ursprünglich keineswegs um Märchen für
Kinder, sondern eher um eine wissenschaftliche Textwiedergabe der in
anderweitigen Veröffentlichungen vorhandenen und mündlich überlieferten Märchen
ging. Waren es anfangs Schwarzweiß-Illustrationen wie Kupferstich, Holzschnitt,
Holzstich und vor allem Stahlstich, so kam mit dem Einsatz der Farblithographie
schnell die Farbe als Gestaltungsmittel hinzu. Unter den Illustratoren sind ganz
bekannte Namen wie Moritz von Schwind, Heinrich Vogeler, Otto Ubbelohde (448!
Federzeichnungen zu Märchen gibt es von ihm), Josef Hegenbarth und Werner
Klemke, der das „Märchenbuch“ der DDR mit über 35 Auflagen schuf. Nach Ute
Willer gehören die Kinder- und Hausmärchen zu den am reichsten illustrierten
Märchenbüchern überhaupt. Viele kaum noch bekannte oder wenig bekannte Künstler
gehören zur großen Menge der sehr unterschiedlich vorgehenden Illustratoren.
Überhaupt ist es erstaunlich wie verschiedenartig die bildnerischen
Interpretationen so bekannter Märchen sein können. Wenn im 19. Jahrhundert eher
biedermeierliche Süßigkeit dominiert, gibt es später auch sehr deftige, manchmal
fast horrorartige Darstellungen und auch witzig-erotische Zeichnungen. Letztere
sind bewußt nicht für Kinder, sondern wie bei Tomi Ungerer für Erwachsene
gedacht. Der Abend – wieder auch als Dankeschön der Pirckheimer an unser
ganzjähriges Gast-Domizil als gemeinsame, öffentliche Veranstaltung in der
Stadtbi-bliothek Halle deklariert – hat wohl bei allen Besuchern die Lust,
wieder einmal ein illustrier-tes Märchenbuch zur Hand zu nehmen, im alten oder
neuen Grimm-Jahr sehr verstärkt.
Hans-Georg Sehrt
Die Herbstexkursion des Leipziger
Bibliophilen-Abends hatte am
Wochenende 6./7. Oktober 2012 Coburg und die Cranach-Stadt Kronach zum Ziel. Die
Stadtführung, beginnend am Marktplatz mit dem ab 1577 errichteten
eindrucksvollen neuen Rathaus und der gegenüberliegenden ehemaligen herzoglichen
Cantzley, erbaut 1601 zur Demonstration des monarchischen Machtanspruchs, endete
am ehemaligen Residenzschloß Ehrenburg, das heute die Landesbibliothek Coburg
beherbergt. Ein glücklicher Zufall wollte es, daß an diesem Tage eine Aktion zur
Rettung bedrohter Buchbestände stattfand, während der sowohl einige kürzlich im
Leipziger Zentrum für Bucherhaltung restaurierte Zimelien gezeigt als auch Paten
und Sponsoren für weitere Werke gesucht wurden. Eine Restauratorin führte einige
Techniken wie die Papierspaltung und das Ansetzen fehlender Teile vor. Der
Nachmittag gehörte der im 13. Jahrhundert errichteten und mehrfach erweiterten
Veste Coburg, die zu den am besten erhaltenen Burganlagen Deutschlands gehört.
Dort sind heute die ehemaligen herzoglichen Kunstsammlungen, von internationalem
Rang und beeindruckender Fülle, untergebracht. Ein Teil davon wird auf etwa 4500
m2 Ausstellungsfläche präsentiert. Unter dem reichen Bestand an Skulpturen ragen
eine im 14. Jahrhundert entstandene Maria mit Kind aus Bamberg und die
schmerzvolle Pietà aus Thüringen heraus. In der Sammlung altdeutscher Gemälde,
die vor wenigen Jahren einen bedeutenden Zuwachs durch den Erwerb der Sammlung
Georg Schäfer erhalten hat, finden sich Werke von Lucas Cranach d.Ä., Albrecht
Dürer, Grünewald und Hans Holbein d.Ä. Das Coburger Kupferstichkabinett zählt
mit seinen über 220 000 Blatt zu den wichtigsten graphischen Sammlungen der
Welt. Leider können aus Gründen des Bestandsschutzes immer nur sehr wenige
Blätter in einer Auswahl gezeigt werden. Die Leipziger Bibliophilen besuchten
auch die Sammlung der Waffen und Rüstungen in der Großen Hofstube und die
Lutherstube, die Martin Luther während seines mehrmonatigen Aufenthaltes 1530
auf der Veste bewohnte. Besonders beeindruckt waren alle vom
Jagd-Intarsienzimmer (1632) mit Schilderungen der Jagd auf 60 Intarsienbildern.
Die Beschäftigung mit altdeutscher Malerei und
Bildhauerei konnte am darauf folgenden Tage fortgesetzt werden, denn im
ehemaligen Kommandantenbau der Festung Rosenburg bei Kronach ist die Fränkische
Galerie, ein Zweigmuseum des Bayrischen Nationalmuseums, untergebracht. In 25
Räumen, die sich auf drei Etagen verteilen, wird vor allem fränkische Kunst des
13. bis 16. Jahrhunderts gezeigt. Eigene Abteilungen widmen sich dem Schaffen
Tilman Riemenschneiders sowie Lucas Cranachs und seiner Werkstatt. Wie in Coburg
gehörten auch in Kronach eine Stadtführung und eine Führung auf der Burg zum
abwechslungsreichen und anregenden Programm der Exkursion.
Herbert Kästner
›… und ich wollte doch mit Büchern leben und
tätig sein‹. Unter diesem Zitat von
Kurt Wolff stand die Veranstaltung des Leipziger Bibliophilen-Abends am 9.
Oktober 2012 in der Deutschen Bücherei. Aus Anlaß des 100. Gründungsjubiläums
des Kurt-Wolff-Verlages sprach Dr. Marion Detjen (Berlin) zur Bibliophilie Kurt
Wolffs in den USA und zeichnete dazu ein Bild der von Humanismus,
Traditionsbewußtsein und Geschmack getragenen Persönlichkeit Wolffs, seiner
Lauterkeit und Geradlinigkeit. Zeit seines Lebens der Liebe zu Büchern
verschrieben, hat er sich doch immer wieder von großartigen Sammlungen getrennt,
so 1912 zur Finanzierung seines ersten, in Leipzig gegründeten Verlags, von der
Sammlung der deutschen Klassik und Moderne (der Katalog bei Graupe, Frankfurt/M.
verzeichnet 1694 Nummern), 1926 wiederum aus akutem Finanzbedarf des Verlages
von seiner beachtlichen Inkunabelsammlung. Weitere Auktionen in den Jahren 1930
und 1934 sind auch im Kontext mit einer psychischen Krise Wolffs zu sehen; er
beginnt den Verlag zu liquidieren, seine Ehe wird geschieden, und Wolff zieht
sich zur Meditation auf ein Landhaus bei Nizza zurück und beginnt ein einfaches,
nicht nach Gewinn und Besitz strebendes Leben zu führen. Anfang 1933 verläßt
Kurt Wolff Deutschland für immer und lebt mit seiner zweiten Frau Helen in
Italien und Frankreich; von dort kann er Ende 1940 in die USA – ohne ein
einziges Buch – entkommen. Auch in den kommenden Jahren entstehen keine
Sammlungen mehr, 1947 veräußert Wolff selbst seine mit Autoren und Künstlern
geführte Korrespondenz.
In seiner verlegerischen Tätigkeit kam ein anderer
Aspekt seiner Bücherliebe zum Tragen, denn er war von Anbeginn bestrebt,
Geschmack im Literarischen mit Geschmack in der Gestaltung und Ausstattung
seiner Editionen zu verbinden, so in den Kunstzeitschriften Die weissen Blätter
und Der Genius sowie in den Kunstpublikationen des 1924 gegründeten Verlages
Pantheon Casa Editrice, Florenz. – Diese hohen Maßstäbe an Inhalt und Form
versucht Wolff auch in dem 1943 mit finanzieller Unterstützung von Curt v. Faber
du Faur und anderen gegründeten Verlag Pantheon Books zu verwirklichen, und das
trotz enormer Schwierigkeiten: von einer Einraum- Wohnung aus, mit spärlichen
finanziellen Mitteln, bei einem 16-Stunden-Arbeitstag für sich und seine Frau.
Wolff verlegt ein zivilisationskritisches Programm, beginnend mit dem Danse
macabre von Frans Masereel, mit Brochs Roman Der Tod des Vergil und den
Weltgeschichtlichen Betrachtungen von Jacob Burckhardt. Es erscheinen
Kunstpublikationen über Daumier, Toulouse-Lautrec, Maillol und Chagall,
wiederaufgelegt werden Voltaires Candide mit den Zeichnungen von Paul Klee und
de Costers Ulenspiegel mit den Holzschnitten Masereels. Als mit Gift from the
Sea (1955) von A. M. Lindbergh und, mehr noch, mit Doctor Shiwago (1958) von
Pasternak auch beträchtliche Publikumserfolge errungen werden, wittern die
›Shareholder‹ des Verlages das große Geschäft und mutieren von Mäzenen zu
Ökonomen. Das geforderte Streben nach Gewinnmaximierung engt Wolffs Spielraum
zunehmend ein, sein verlegerisches Konzept wird als antiquiert diffamiert, man
versucht, ihn aus dem Verlag zu drängen, dem er 1960 mit seinem Ausscheiden
zuvorkommt – im Jahr, in dem ihm die Ehrenmedaille des deutschen Buchhandels
verliehen wird. – Der interessante, etliche neue Informationen und
Einschätzungen bereithaltende Vortrag bot einen unkonventionellen Blick auf
Person und Werk Kurt Wolffs und wurde von den Bibliophilen mit reichem Beifall
aufgenommen. H. K.
Graphik und Künstlerbücher von Felix Martin
Furtwängler zeigte die Ausstellung des
Leipziger Bibliophilen-Abends, die am 6. November 2012 in Anwesenheit des
Künstlers im Haus des Buches Leipzig eröffnet wurde. Für die zahlreich
erschienenen Besucher führte Dr. Olaf Thormann vom Leipziger Grassi-Museum für
angewandte Kunst in das Werk Furtwäng-lers ein und stellte einige der
Ausstellungsstücke des 1954 in Karlsruhe geborenen und seit langem in Berlin und
im Allgäu lebenden Künstlers vor. Wie im Vorjahr bei der Ausstellung der
Kaldeway Press (vgl. die Eröffnungsrede von Wilhelm Bartsch in: MARGINALIEN,
206. Heft 2012, S. 35-44) begleitete der Leipziger Pianist Frank Becker die
Eröffnung musikalisch, diesmal mit Klaviermusik von Béla Bartók, Max Reger und
Sigfrid Karg-Elert. Das Plakat der Ausstellung konnte signiert erworben werden,
ebenso die Vorzugsausgabe (mit beiliegender Radierung) des von Furtwängler
selbst gestalteten Katalogs Felix Martin Furtwängler – der Maler liebt die
Einsamkeit, der zur Wanderausstellung von Furtwänglers Malerei 2012-14 (u.a.
Schweinfurt, Potsdam, Schloss Burgk, Berlin) mit über 160 mehrfarbigen
Abbildungen und Texten von Lothar Lang und Gerhard Fichtner beim Harrassowitz
Verlag Wiesbaden in Kommission erschienen ist. Die Leipziger Ausstellung, die
mit Büchern und Katalogen in 11 Vitrinen sowie knapp 70 Graphiken nur einen
kleinen Ausschnitt aus dem umfangreichen Schaffen des produktiven Künstlers
zeigen konnte, war bis zum 19. Dezember 2012 zu sehen. Initiiert worden war sie
vom Vorsitzenden des Leipziger Bibliophilen-Abends Herbert Kästner, der über
Furtwänglers Künstlerbücher und Buchobjekte bereits vor zehn Jahren in den
Marginalien (168. Heft, 2002, S. 3-10) geschrieben hatte.
Hans-Jürgen Viehrig
Das Jahresprogramm des Leipziger
Bibliophilen-Abends wurde traditionell
mit dem Geselligen Abend am 4. Dezember 2012 beendet. Im Gesellschaftszimmer des
›Mückenschlößchen‹ war die festliche Tafel zu Speis, Trank und guten Gesprächen
gedeckt, aber zuvor wurde der langjährige Schatzmeister Hans-Joachim Röding nach
dreißigjähriger (!) ehrenamtlicher Tätigkeit für finanzielle Solidität des
Vereins würdig verabschiedet und als Nachfolger RA Wolfgang Zumpe ins Amt
eingeführt. Hans-Joachim Röding verwaltete die Kasse seit 1982, als die damalige
Leipziger Ortsgruppe der Pirckheimer-Gesellschaft in Vorbereitung des
Jahrestreffens der Gesellschaft ein Konto eröffnen mußte. Nach Wiedergründung
des Leipziger Bibliophilen-Abends erweiterten sich die Aufgaben des
Schatzmeisters durch die Herausgabe bibliophiler Drucke mit Vorfinanzierung und
Abrechnung erheblich. Es ist hervorzuheben, daß bei allen Kassenprüfungen, auch
von staatlicher Seite, die sorgfältige und ordnungsgemäße Buchführung und die
satzungsgemäße Verwendung der Mittel festgestellt werden konnte. – Das
bibliophile Thema des Abends hieß ›Geliebte Kinderbücher‹, und hierzu hatten
freilich viele etwas beizutragen, vom zerlesenen, aber wohlgehüteten und mit
Kindheitserlebnissen befrachteten Erstlesebuch über im üppigen Jugendstil
illustrierte Ausgaben bis zu seltenen Heften, die als Werbedrucke mit
Geschichten und Gedichten für Kinder ausgegeben wurden. Auch auf einige
bemerkenswerte Neuerscheinungen wurde hingewiesen, zum Beispiel auf die im
Verlag Peter Hammer erschienene, von Henning Wagenbreth illustrierte Erzählung
Der Pirat und der Apotheker von Robert Louis Stevenson und das zauberhafte, mit
Laserschnitten gestaltete Kinder-Kunstbuch Bei Vollmond der französischen
Autorin Antoine Guilloppé (Knesebeck). Auch der im LBA aus alten Zeiten bekannte
schöne Brauch, den Mitgliedern eine private Gabe zu überreichen, wurde
fortgesetzt: Rainer-Joachim Siegel reichte ein wohlgestaltetes Heft aus mit je
einem Beitrag von Stefan Zweig (Warnung an Bibliophilen) und von Hugo
Steiner-Prag (Offener Brief an Herrn Dr. Stefan Zweig, Salzburg) aus dem Jahr
1922. H.
K.
»Die Fibel als Geschichtsbuch«
war das Thema des bibliophilen Abends am 8. Januar 2013 im Leipziger Haus des
Buches. Eingeladen war Elke Urban vom Leipziger Schulmuseum, die sich mit diesem
Gegenstand seit längerer Zeit beschäftigt, allerdings zunächst eingeschränkt auf
Fibeln aus den letzten einhundert Jahren, die in Leipzig gedruckt oder verwendet
wurden. Sie geht von der Überlegung aus, daß das erste Lesebuch, das Kinder in
die Hand bekommen, in seiner Wirkung nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
Das Weltbild junger Menschen wurde zu allen Zeiten beeinflußt durch prägende
Bilder und Erlebnisse besonders aus der ersten Schulzeit. Dem Versuch jeder
Staatsmacht, gerade in diese beliebten, bunten Bilderbücher die jeweils
maßgeblichen Ideologien einfließen zu lassen, konnten sich die kleinen
Sechsjährigen zu allen Zeiten am wenigsten entziehen. Vergleichende
Untersuchungen wurden vorgenommen zu solchen Fragenkomplexen wie Alltagswelt /
Wertevermittlung / Sport und Wehrertüchtigung / Die Familie, Geschlechterrollen
/ Lese- und Lernmethoden. – Mit reichem Anschauungsmaterial zeigte Elke Urban
den Wandel in den Erstlesefibeln, etwa das erstmalige Auftreten eines Autos oder
eines Motorrades, Waschzuber und Waschbrett noch in den 1950er Jahren, die
wundersame Verwandlung des roten Wandervogel-Wimpels in einen Hakenkreuz-Wimpel
des Jungvolkes oder eines im Bildhorizont erscheinenden Kirchturms in einen
rauchenden Fabrikschornstein oder einer Banane, die von 1932 bis 1947 auf immer
gleichem Bild verzehrt wurde, in eine heimische Frucht. Die staatsbürgerliche
Erziehung erfolgt in vielfältiger Weise in Wort und Bild: Die jeweiligen
Uniformierungen sollen beim Betrachter den Wunsch suggerieren, diesen Gruppen
anzugehören. Mit Ausnahme der unmittelbaren Nachkriegszeiten trifft man Waffen
und das Militär in nahezu allen Fibeln an, besonders martialisch in den Jahren
1933 bis 1945, bis zum Abdruck eines widerlichen, mit ›Heil Hitler‹ schließenden
Feldpostbriefes eines Vaters an seinen Sohn.
In der an den mit Beifall aufgenommenen Vortrag sich
anschließenden regen Debatte wurde nun sowohl ein Blick weiter zurück in die
Vergangenheit wie auch in die unmittelbare Gegenwart getan. Vom 16. Jahrhundert,
als die ersten ABC-Büchlein erschienen, bis weit ins 18. Jahrhundert nahm man
noch kaum Rücksicht auf die kindliche Erlebniswelt, gelesen wurden fast
ausschließlich religiöse Texte und fromme Sprüche, daß man der Obrigkeit zu
gehorchen hat. Erst ab etwa 1750 – in Zusammenhang mit der schrittweisen
Einführung einer Schulpflicht – wenden sich die Fibeln gezielt an Kinder,
enthalten nun auch Bilder und lustige bis alberne gereimte Zweizeiler zum
Erlernen der Buchstaben; als Lesetexte dienen aber nach wie vor moralische
Erzählungen und religiöse Inhalte. Noch 1854 heißt es in einer Verordnung, daß
die Schüler neben den Grundfertigkeiten des Lesen, Schreibens und Rechnens »die
gebräuchlichen Kirchenmelodien, eine reiche Auswahl guter Volkslieder und
besonders die Vaterlandslieder einstimmig, richtig und fertig singen können«
müssen. Im Jahr des Gedenkens an die Völkerschlacht (1813) will Elke Urban nun
als nächstes die Fibeln aus der Zeit der napoleonischen Fremdherrschaft und der
nationalen Befreiungsbewegung auf eventuelle Wechsel in Text und Bild
untersuchen.
Schließlich wurden auch noch aktuelle Fibeln diskutiert und wenig schmeichelhaft
kommentiert. Es wurde festgestellt, daß dort nur eine heile Kinderwelt aus
Schule, Spiel und Sport und Familie, nicht aber die Lebenswirklichkeit vorkommt,
die Kinder auch keine soziale Funktion außerhalb ihres engen Kreises und auch
keine außerschulischen Pflichten haben. Aus Furcht, erneut in ein ideologisches
Fahrwasser zu geraten, wird die Realität nahezu völlig ausgeblendet. Arg
vernachlässigt wird die ästhetische und musische Erziehung, beginnend mit häufig
minderwertigen Illustrationen (und wir hatten doch schon mal Balzer und Klemke!)
und schlechtem Layout. Gemeinsam oder in der Familie musizierende Kinder kommen
nicht vor, das Wort »Bibliothek« konnte einmal gefunden werden, hingegen liefert
eine Fibel für Bayern im Glossar die Begriffe Bischof, Down-Syndrom und
Eukalyptusbaum. Weit scheint noch der Weg zu sein zu einer Fibel, die dem
Hegelschen Anspruch genügt: »Was durch die Schule zustande kommt, ist die
Fähigeit, dem öffentlichen Leben anzugehören.«
H. K.
Sammlerabend in der Gruppe Rhein-Main-Neckar.
Viele schöne Raritäten unterschied-lichsten Inhalts waren beim traditionellen
Sammlerabend der Pirckheimer in der Region Rhein-Main-Neckar am 8. November in
Großsachsen zu bewundern. – Informativ und zugleich gut gestaltet ist ein Text
und Bildband über 500 Jahre Stadt- und Universitätsbibliothek Frankfurt am Main
aus dem Jahre 1984. Gogols Der Zauberer mit zwölf Holzschnitten brachte den fast
vergessenen Illustrator Karl Thylmann wieder in Erinnerung (Kurt Wolff, 1918).
Michail Kusmins Die Reise des Sir John Fairfax gewinnt Leben durch die
Illustrationen von Karl Rössing (Orchis, 1923).
Als zeitnah entstandene
Dokumentation zeigen Kupferstiche in dem Buch Gemälde aus der Belagerung von
Mannheim 1795 anschaulich den Verlauf eines regionalen Ereignisses (Mannheim,
1796). Immer sehenswert sind Bücher, die von oder mit Richard Seewald
ent-standen, so das vorgelegte Reise nach Elba mit Zeichnungen des Autors (bei
Benno Filser, Augsburg). Ein Zeugnis der Zeitgeschichte stellt der Katalog
German Painting and Sculpture des Museum of Modern Art, New York von 1931 dar.
Ein gutes Zeugnis der künstlerischen Fähigkeiten des George Grosz sind die
Zeichnungen in Über alles die Liebe (Bruno Cassirer, o. J.). Zeitgeschichte
präsentieren auch die Bücher Politik und Literatur im Exil von Alfred
Kantorowicz (Christians, 1978) und Werke jüdischer Autoren deutscher Sprache,
ein von De-sider Stern herausgegebener Ausstellungskatalog (Wien 1968).
Ein Kinderbuch aus Kambodscha
zeigt beeindruckend fernöstliche Möglichkeiten der Buchgestaltung. Selten zu
finden sind die Hymnen des Maropampa des expressionistischen Dichters Hans
Schiebelhuth mit den 12 kolorierten Holzschnitten von Walter Müller-Worpswede
(200 sign. Expl., 1921). Als ein geradezu raffiniert gestaltetes Buchobjekt
erweist sich ABC3D mit dreidimensionalen sich überlagernden Buchstaben,
ausgeklügelt und einfalls-reich gestaltet von Marion Bataille (Carlsen, 2008).
FP
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