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Redaktionsschluss 15. Juli 2012
Wir gratulieren unseren
Mitgliedern. Zum 60. Geburtstag: Manfred Johannes Backhausen (Pulheim)
am 11. 11. Zum 65. Geburtstag: Wolfgang Wissing (Hückelhoven) am 9. 12. Zum 70.
Geburtstag: Hans-Martin Vieth (Berlin) am 3. 10. Zum 75. Geburtstag: Zoltán
Zsilla (Leipzig) am 6. 11. Zum 80. Geburtstag: Renate Gollmitz (Berlin) am 1.
10. Zum 82. Geburts-tag: Dr. Claus Masuck (Berlin) am 15. 11. Zum 83.
Geburtstag: Dr. Margit Wille (Berlin) am 12. 10. Zum 88. Geburtstag: Dr. Peter
Hoffmann (Nassenheide – Löwenberger Land) am 9. 11., Gunther Ball
(Neubrandenburg) am 1. 12. Zum 89. Geburtstag: Lotte Rhein (Wismar) am 29. 11.
Zum 92. Geburtstag: Prof. Dr. Wolfram Körner (Berlin) am 20. 11.
Neue Mitglieder:
Peter Sodann, Schauspieler, Halle (Saale). Thomas Wollesky, Vertriebsleiter
Medizintechnik/IT, Berlin.
Zum 80. Geburtstag von
Renate Gollmitz. Renate Gollmitz gehört sei Jahrzehnten zu den
aktivsten Mitgliedern der Pirckheimer-Gesellschaft. Sie schrieb viele Berichte
über Pirckheimer-Abende in Berlin und über Jahrestreffen der Gesellschaft.
Häufig berichtete sie in den MARGINALIEN und auf Pirckheimer-Abenden von ihrer
Leidenschaft, dem Sammeln von Lesezeichen und der Beschäftigung mit dem
Beschreibstoff Papier. Mehrmals hatte sie Gelegenheit, in Ausstellungen ihre
unter Fachleuten geschätzte Sammlung von Lesezeichen vorzustellen. In den 2000er
Jahren wirkte sie im Vorstand der Berliner Pirckheimer-Gruppe an der
Ausgestaltung des bibliophilen Lebens mit. Ihr Berufsleben gehörte der Berliner
Staatsbibliothek, unter anderem als Sekretärin mehrerer Generaldirektoren. Für
Horst Kunze war sie mehrfach auch als Mitarbeiterin an dessen Buchpublikationen
beteiligt. Zusammen mit Friedhilde Krause gab sie vier Bände mit kleineren
publizistischen Schriften von Horst Kunze heraus, zuletzt den Druck der
Pirckheimer-Gesellschaft Buchgefährten (1999). Nach Kunzes Tod leistete sie auch
wichtige Hilfe bei der Bearbeitung und Erschließung seines Nachlasses. Wenn
Renate Gollmitz am 1. Oktober ihren 80. begeht, denken deshalb viele
Bücherfreunde an sie und wünschen eine wieder besserwerdende Gesundheit.
Prof. Dr. Dieter
Lemhoefer gestorben. Wie wir erst jetzt erfuhren, ist unser früheres
Mitglied Prof. Lemhoefer (geboren 1925) bereits im Sommer vor einem Jahr
verstorben. Der langjährige Vorsitzende des Berliner Bibliophilen Abends (BBA)
war einer der ersten Bibliophilen aus dem Westteil der Stadt Berlin, die zu
Beginn des Jahres 1990 zur Pirckheimer-Gesellschaft kamen. In einer überfüllten
Versammlung im Club der Kulturschaffenden stellte er damals den Pirckheimern die
Geschichte und Publikationen des traditionsreichen BBA vor. Zusammen mit Werner
Schuder förderte er maßgeblich das Zusammenwachsen der Bücherfreunde der bis
dahin geteilten Stadt.
Wer ihn näher kennenlernte oder ihn zu Hause besuchen durfte, konnte nur staunen
über die Reichhaltigkeit seiner Sammlungen. Mit raschem Griff zog er Graphik um
Graphik aus den Schubladen, präsentierte er Widmungsexemplare und sonstige
Kostbarkeiten aus seinen Regalen – und dies alles gewürzt mit zahlreichen
Anekdoten aus einem langen Sammlerleben. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren
hatte er sich für die bis dahin fast vergessenen Künstler der Weimarer Republik
und des Exils (viele von ihnen jüdischer Abstammung) interessiert und begonnen,
Kunst und Buchkunst aus dieser Zeit zu sammeln. Gern nannte er die extrem
niedrigen Preise, die er damals zum Beispiel für die Großstadt-Lithographien von
Karl Holtz bezahlt hatte. Holtz, Hans Alexander Müller, Willibald Krain und Hugo
Steiner-Prag bildeten besondere Schwerpunkte seines Sammelns. Über diese Themen
veröffentlichte er eine Reihe von Artikeln in der Wandelhalle der Bücherfreunde,
in Illustration 63, in der Graphischen Kunst, in Philobiblon und in den
Sammelbänden Ulrich von Kritters.
Leider schrieb er nur einen einzigen Beitrag für die
MARGINALIEN (Heft 152, S. 69-77): Hans Reimann. Postumer Fund eines Erstlings.
Lemhoefers Artikel strotzen in der Regel vor Informationen, die er zum Teil an
entlegenen Stellen gefunden hatte, bieten wichtige Hinweise und kokettieren –
liebenswürdig und selbstironisch eitel – mit den Schätzen seiner Sammlungen. So
liebte er den erläuternden Nachsatz: „Reproduktionen erfolgten nach Originalen
aus dem Besitz des Autors.“ Die Fußnoten seiner Artikel sind Musterbeispiele
jahrelanger Arbeit am Thema und demonstrieren die Akribie und Ausdauer, mit der
Lemhoefer Material über seine Künstler sammelte.
Bücher und Graphiken aus seinem Besitz sind leicht zu
identifizieren, weniger wegen der selbst hergestellten Bucheignerzeichen,
sondern wegen der Fülle an Beigaben und Anmerkungen: Ausschnitten aus
Antiquariats- und Auktionskatalogen – manchmal mit einem Ausrufezeichen beim
Preis –, handschriftlichen Angaben zur Biographie und Sekundärliteratur sowie
sonstigen Notizen. Präzision und Exaktheit des Juristen, der Lemhoefer sein
Berufsleben lang war – gern setzte er „Leitender Regierungsdirektor“ hinter
seinen Namen -, werden hier sichtbar und belegen, mit welcher Leidenschaft er
seine Themen pflegte. So gekennzeichnete Bilder, Bücher und Graphiken aus seinem
Besitz tauchen schon seit einiger Zeit nicht nur bei Auktionen, sondern auch bei
Buchtrödlern und bei ebay auf.
Die Pirckheimer werden Dieter Lemhoefer als
leidenschaftlichen Bibliophilen und amüsanten Plauderer in guter Erinnerung
behalten. WK
Französische und englische Gebrauchsgraphik um
1900 stellte Dr. Anita Kühnel am 3. Mai im Studiensaal der
Kunstbibliothek vor. Die Leiterin der Sammlung Graphisches Design in der
Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin hatte zahlreiche
originalgraphische Arbeiten wie Buchumschläge, Einladungen, Geschäftskarten,
Kalender, Programme, Ornamentvorlagen, vor allem aber Plakate aus dem Archiv
ausgewählt. Die heutige Gebrauchsgraphik findet ihre Anfänge bereits am Ende des
19. Jahrhunderts, damals noch mit den traditionellen Techniken Holzschnitt,
Steindruck, Fotolithographie. Fest in der Kunstgeschichte eingeschriebene
Künstler, wie George Auriol, Pierre Bonnard, Alfons Mucha, Paul Signac,
Alexander Steinlen, Henri de Toulouse-Lautrec, waren sich für die Werbung nicht
zu schade. Im Gegenteil, in ihren Arbeiten spürt man die Lust an diesem etwas
abseits gelegenen Sujet. Die Schrift ist sowohl gezeichnet als auch bereits
typographisch entwickelt. In leisen Tönen brillierte Anita Kühnel mit
außergewöhnlichem Detailwissen zur Freude der Pirckheimer. Nach ihrem Vortrag
konnten einige Exponate aus nächster Nähe in Augenschein genommen werden; das
künstlerische und handwerkliche Können faszinierte. Heute wird es meist an den
Computer delegiert.
Eingangs des Abends wurde die Erinnerung an die Veranstaltungen 2010 und 2011 in
diesen noblen Räumen des Studiensaales wachgerufen: die Vorstellung der
„Schönsten Bücher des Jahres“. Dieser Wettbewerb sollte 2012 gesundgeschrumpft,
aber gleichzeitig stärker popularisiert werden. Trotzdem sind definitive
Ergebnisse nicht bekannt. Kann daraus geschlußfolgert werden: Die oberen
Kulturinstanzen der Bundesrepublik (Bundeskulturstiftung) verkennen die
Bedeutung des Buches für die Bildung aller Altersgruppen?
R. W.
Künstlergrüße und
Künstlerbriefe. Am 19. April hatten die Mitglieder der
Berlin-Brandenburger Regionalgruppe Beweisstücke ihrer engen Beziehungen zu
Schriftstellern und bildenden Künstlern mitgebracht. Unabhängig davon, welchem
Sujet das Interesse der ambitionierten Sammler gilt, gezielt oder zufällig
ergibt sich früher oder später ein Kontakt, sei es in persönlicher oder sei es
in schriftlicher Form.
Jutta Osterhof hatte sich sehr gründlich auf diesen Abend vorbereitet. Die
Korrespondenzen mit Trude Brück, Ursula Hanke-Förster, Herbert Gutsch, Edda
Großmann, Michael Schönholz, Gert H. Wollheim hat sie dokumentiert, indem sie
Zeichnungen und Fotos den meist kalligraphisch wirkenden handschriftlichen
Briefen der Künstler auf einem Karton gegenübergestellt hat. Eine sehr
mühevolle, aber museumsreife Arbeit. Bestaunt wurde auch ein skizzierter
Stadtplan Dresdens von Conrad Felixmüller. Es entstand der Wunsch, im nächsten
Jahr ausführlicher über eine solche langjährige Korrespondenz zu berichten.
Konrad Hawlitzki, Dr.
Fritz Jüttner (natürlich mit einem historischen Brief, Klopstock betreffend),
Dr. Thomas Kaemmel, Dr. WK, Gerhard Rechlin, Robert Wolf und Dr.
Carsten Wurm gaben die mitgebrachten Briefe und Postkarten ebenfalls zur
Ansicht. Erstmals bot
die Galerie „Ostdeutsche Kunstauktionen“ (Raik und Ekkehard Hellwich, der Senior
ist seit fünf Jahrzehnten Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft) der
Veranstaltung nicht schlechthin ein Obdach, sondern mit den Spitzenexponaten
ihrer Frühjahrsauktion in dichter Petersburger Hängung ein überraschend schönes
Ambiente. R. W.
Mit dem Bus zum
MAYA-Kodex. Die Hauptstadt eines deutschen Freistaates entwickelte sich
in dem letzten Jahrzehnt zu einem Wallfahrtsort für Touristen aus aller Welt.
Allerdings fluten die täglichen Busladungen nur einen begrenzten Raum zwischen
Zwinger, katholischer Hofkirche, Brühlscher Terasse und Frauenkirche. Diese ist
seit ihrem weltweit beachteten Wiederaufbau der Hauptanziehungspunkt der
sächsischen Metropole. Vielleicht wegen der geschmäcklerischen Architektur der
benachbarten Neubauten mit ahistorischen Traufhöhen, vielleicht wegen der
medialen Überfrachtung wird sie von einigen Besuchern auch despektierlich
spöttisch „Bonbondose“ genannt. Bedauerlich bleibt die Zerstörung aller
aufwendig freigelegten mittelalterlichen Kellergewölbe, die, für kurze Zeit
einsehbar, wie ein antikes Skulpturenfeld wirkten. Auf die Neustädter Seite,
erreichbar in wenigen Minuten zu Fuß über die historische Augustusbrücke,
verirren sich nur wenige Touristen. Von dort aus kann man den weltberühmten
Canaletto-Blick des Bernardo Belotto (1720-1780) auf die Silhouette der Altstadt
genießen.
Ein Juwel
besonderer Art kennen nur bildungshungrige Studenten und wißbegierige Einwohner:
die Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, in der
Südvorstadt auf dem Uni-Campus gelegen. Es sei denn, man ist Liebhaber der
Bibliophilie und Mitglied der Berlin-Brandenburger Regionalgruppe der
Pirckheimer-Gesellschaft. 27 von ihnen reisten am 23. Juni eigens mit dem Bus
gen Süden, um die respektable Architektur des Neubaus und die moderne
Bibliothekstechnologie kennenzulernen. Zu bestaunen waren zwei Gebäudeblöcke mit
jeweils vier Etagen und drei untererdigen Ebenen, die auch den großen Lesesaal
und kleinere Lesekabinette beherbergen. Diese erhalten durch Lichtbänder
Tageslicht. Ergänzt durch künstliche Lichtquellen entsteht eine lesefreundliche
Beleuchtung. Mit 5,5 Millionen Medieneinheiten, etwa 75 000 registrierten
Nutzern, jährlich mehr als 2,2 Millionen Besuchern und mit Öffnungszeiten von 8
bis 24 Uhr (sonntags 8 bis 18 Uhr, ohne Service) gilt diese 2002 eröffnete
Bildungseinrichtung als „Leuchtturm“ unter den deutschen Bibliotheken. Im
gewünschten Schnellgang wurde die Gruppe mit maximalem Erkenntnisgewinn durch
das Haus geführt. Das
gesteigerte Interesse galt natürlich der nur in kleineren Gruppen und unter
Aufsicht zu bestaunenden Schatzkammer. Pergamenthandschriften, reich verzierte
Drucke und pracht-volle Ledereinbände aus der Frühzeit der Buchkultur, auch ein
Skizzen- und Notizbuch Dürers, Luthers Notizen für Vorlesungen an der
Universität zu Wittenberg, handschriftliche Noten von Bach, Vivaldi und Schubert
konnten bewundert werden. Als Prunkstück besitzt Dresden neben Paris, Madrid und
Mexiko einen Mayakalender (Codex Dresdensis). Die spanischen Eroberer
vernichteten bekanntlich alle erreichbaren Kulturgüter des altmexikanischen
Volkes. Gewisse Parallelen lassen sich dazu durchaus in jüngster deutscher
Geschichte finden. Nach wechselvoller Geschichte gelangte dieser 3,6 Meter
lange, auf Feigenbaumblättern geschriebene, dem Autodafé entgangene
Ritualkalender 1739 in die Dresdener Kurfürstliche Bibliothek als „mexikanisches
Buch mit hieroglyphischen Figuren“. Erst durch die langjährige Forschung erwies
sich diese Handschrift in Form eines Leporellos als unschätzbares Kulturgut der
Menschheit. Nach dem
Mittagessen im Landgasthof Cunnersdorf mit landestypischer Hausmannskost führte
die Tour in das Vorland des Osterzgebirges nach Dittersbach. Dort residiert seit
1994 auf dem Hofmannschen Gut der Maler, Graphiker und Bildhauer Hermann
Naumann. Einem größeren Publikum ist er gut bekannt durch seine Illustrationen
zur Weltliteratur (unter ande-rem Kafka, Hauptmann, de Gongora, Dauthendey,
Böll, Dostojewski, Scholem Alejchem, Rimbaud, Herrmann-Neiße) und durch
Graphikmappen, bis 1990 überwiegend im Reclam-Verlag und danach bei Faber &
Faber herausgegeben. Jahrzehnte arbeitete und lebte der viel-seitige Künstler im
Dresden-Loschwitzer Künstlerhaus. Sein überquellendes Talent brauchte zur vollen
Entfaltung lediglich eine kurze handwerkliche Ausbildung bei dem Bildhauer
Herbert Volwahsen, der auch die autodidaktische Weiterbildung anregte. In der
Graphik verwendet Naumann die unterschiedlichsten Techniken: Steinzeichnung,
Kaltnadelradierung, Holzschnitt, punktierte Federlithographie, Punzenstich. Für
die zwei letzteren seltenen Techniken gilt er als letzter Meister seiner Zunft.
Diese kostbaren Drucke waren und sind begehrte Sammelobjekte. In dörflicher
Idylle arbeitet der 82jährige mit nicht nachlassender Vitalität. Hier kann er
sein Werk und Teile seiner umfangreichen Sammlung für Besucher großzügig
ausbreiten. Kenner erfreuten sich besonders an dem als Atelier ausgebauten
riesigen Scheunenboden. Hermann Naumann und seine Lebenspartnerin Helga Luzens
zeigten bereitwillig ihre Schätze, die sie mit spannenden und pointenreichen
Erinnerungen vorstellten. Sie genossen sichtlich das große Interesse der
Pirckheimer und die sachkundigen Gespräche.
Auf die heißbegehrte sächsische Eierschecke mußte aus
Zeitgründen verzichtet werden. Die Organisation lag wiederum in den bewährten
Händen von Hans-Udo Wittkowski, der diesmal einen kräftigen Endspurt bei der
Vorbereitung zu leisten hatte.
Robert Wolf
Der Graphiker und
Buchgestalter Fritz Stein (1911-1987). Das Bestreben der halleschen
Pirckheimer, Künstler der Region vorzustellen, deren Werk in großem Umfang auch
der Gra-phik und Buchkunst verpflichtet ist, konnte mit der Veranstaltung am 29.
Mai 2012 um einen beachtenswerten Beitrag bereichert werden. Im Mittelpunkt
stand dabei der Graphiker und Buchgestalter Fritz Stein (1911-1987), dessen 25.
Todestag Anlaß zu einem Bildvortrag gab, den in bewährter Weise Dr. Walter
Müller, Mitglied der Pirckheimer-Gesellschaft und kennt-nisreicher
(Stadt-)Historiker, vor einem sehr aufgeschlossenen Zuhörerkreis hielt.
Friedrich Stein, der stets nur die Kurzform seines
Vornamens benutzte, wurde am 7. März 1911 in Mayen (Eifel) geboren und
absolvierte nach einer Lehre als Schriftsetzer und Buchdrucker von 1933 bis 1937
ein Studium an der Leipziger Akademie und belegte hier die Meisterklasse von
Walter Tiemann. Nach dem Studienabschluß wurde Stein in Halle ansässig, wo er
beim Verlag der Hallischen Nachrichten als Graphiker und Gestalter angestellt
wurde. Sein weites Aufgabengebiet ließ für ein freies künstlerisches Schaffen
kaum Zeit, doch konnte er für die illustrierte Wochenendbeilage der Tageszeitung
mitunter auch eigene Zeichnungen beisteuern, meist stimmungsvolle Ansichten aus
der Region. 1939 beendete der Militäreinsatz diese Arbeit und damit seine
berufliche Bindung an die Zeitung, doch die Bindung zu Halle blieb bestehen.
Ohne feste Anstellung konnte – mußte – Fritz Stein
nach dem Krieg nun freischaffend arbeiten und wurde bald ein geachtetes Mitglied
im Kreis der halleschen Künstlerkollegen. Seit ihrer Gründung im Mai 1947
gehörte er der Künstlergemeinschaft „Die Fähre“ an, die sich für die neuen
kulturpolitischen Ziele besonders engagierte. Das erste Ausstellungsplakat der
Gemeinschaft wurde von ihm gestaltet. Der Öffentlichkeit wurde er bekannt durch
seine 25 Kohlezeichnungen zum historischen Halle, von denen einige bereits in
der ersten Nach-kriegsausstellung der Moritzburg Halle zu sehen waren und die
der Verlag Max Niemeyer Halle im gleichen Jahr in einer bescheidenen Buchausgabe
herausgab (Fritz Stein: Das alte Halle. – Einen erweiterten Nachdruck
veröffentlichte der fliegenkopf verlag Halle im Jahr 2003). Eine geplante
Veröffentlichung von zwölf erschütternd eindrucksvollen Zeichnungen der durch
Kriegzerstörungen betroffenen Häuser und Straßen in Halle, unmittelbar nach den
Bombenangriffen im Frühjahr 1945 vom Künstler festgehalten, kam leider nicht
zustande. Walter Müller, der im Besitz dieser wertvollen Zeitdokumente ist,
sieht in ihnen zu Recht eine der größten künstlerischen Leistungen von Fritz
Stein. Die Aufgaben
wurden für Stein bald umfangreicher und vielfältiger. Er arbeitete
freikünstlerisch und gebrauchsgraphisch und seit 1951 zunehmend im
buchgestalterischen Bereich. Verlage wie St. Benno, Reclam, Insel, Aufbau oder
der Verlag der Nation gehörten zu seinen Auftraggebern, für den Mitteldeutschen
Verlag in Halle schuf er das noch heute existierende Signet. Beteiligungen und
Anerkennungen im Rahmen der Internationalen Buch-kunst-Ausstellungen (iba) und
der Schau der „Schönsten Bücher“ bestätigten seinen künstleri-schen Erfolg. 1954
erhielt Fritz Stein schließlich einen Lehrauftrag an der Hochschule für
industrielle Formgestaltung, der „Burg“, in Halle, den er bis zu seinem
Ruhestand behielt. Neben Lehrveranstaltungen zur Buchgestaltung vermittelte er
den Studenten auch die Grundlagen der graphischen Techniken.
1976 verließ Stein die
Saalestadt und ging zurück in die heimatlichen Gefilde der Eifel. Er starb am
20. Mai 1987 in Koblenz. Daß Fritz Stein noch vielen Hallensern im Gedächtnis
geblieben ist, bewiesen die anschließenden Gespräche mit dem Referenten, der den
interes-sierten Zuhörern, wie so oft schon, erneut Anregungen gab, sich mit
einem verdienten Künst-ler der Stadt und seinem Werk auseinanderzusetzen.
Ute Willer
Vertreibung und
Neuanfang lautete der Titel des Vortrages von Prof. Ernst Fischer, den
er am 8. Mai 2012 vor den Mitgliedern des Leipziger Bibliophilen-Abends und
ihren Gästen im Leipziger Haus des Buches hielt. Die nationalsozialistische
Machtergreifung bedeutete auch für das Verlagswesen, den Buchhandel und die
gesamte Buchkultur einen tiefen, zerstöreri-schen Einschnitt. Ebenso wie
Schriftsteller, Künstler und Wissenschaftler mußten Verleger, Buchhändler und
Antiquare wegen ihrer politischen Orientierung oder ihrer jüdischen Wurzeln
Deutschland verlassen. Ernst Fischer, Universitätsprofessor am Mainzer Institut
für Buch-wissenschaft und Vorstandsmitglied der Maximilian-Gesellschaft,
erinnert in dem 2011 veröffentlichten biographischen Handbuch Verleger,
Buchhändler und Antiquare in der Emigration nach 1933 an diese Gruppe von
Emigranten und ihr Schicksal. Aus diesem umfangreichen Material wählte er für
den Vortrag des Abends besonders Leipziger Vertreter aus, berichtete von deren
Lebensgeschichten und schilderte ihren Neuanfang in der Emigration, auch
unterstützt durch Dokumente und Bildmaterial. Einmal mehr wurde der kulturelle
Verlust deutlich, den Deutschland 1933 erlitten hat, dazu eindrücklich
geschildert an persönlichen Schicksalen.
Rainer-Joachim Siegel
Wort wird Bild
war der Titel einer Ausstellung, die vom 5. Februar bis zum 3. Juni 2012 in der
Hallenser Stiftung Moritzburg Illustrationen der Brücke-Maler zeigte. Das war
für die Leipziger Bibliophilen willkommener Anlaß, die Frühjahrsexkursion am 2.
Juni 2012 wieder einmal in die benachbarte Saalestadt zu führen, zumal sich dies
verbinden ließ mit dem Besuch der größten und umfassendsten Pompeji-Ausstellung
der letzten Jahre im Landesmuseum für Vorgeschichte. Die für die Bewohner
Pompejis, Herculaneums und der umliegenden Ortschaften verheerende Katastrophe
des Vesuv-Ausbruchs von 79 n. u. Z. erwies sich als ein »Glücksfall« für die
Archäologie, hatten sich doch unter den meterdicken Ablagerungen aus Geröll,
Staub und Lava die Stadtanlage mit ihren öffentlichen Plätzen und Tempeln, die
Paläste der Oberschicht und die Behausungen der Handwerker und Sklaven ebenso in
erstaunlich gutem Zustand erhalten wie Mosaikfußböden und Wandbilder,
Interieurs, Kult- und Alltagsgegenstände, die ein lebendiges Bild vermitteln
können vom damaligen Leben in der römischen Metropole, vom hohen Stand ihrer
Kultur und Zivilisation. – Der Nachmittag gehörte dann der, vorwiegend aus der
Sammlung Gerlinger gespeisten, Präsentation der illustrativen Arbeiten der
Brücke-Künstler. Obwohl direkt auf literarische Vorlagen bezogene Arbeiten im
Gesamtwerk dieser Künstler keine dominante Rolle spielen, haben sie doch
gewichtige Beiträge geleistet zu einer Entwicklung, in deren Verlauf sich das
›Illustrieren‹ aus seiner dienenden, nacherzählenden Rolle befreit, Wort und
Bild sich auf Augenhöhe begegnen und zu einem Neuen verbinden, beispielhaft zu
sehen an Ernst Ludwig Kirchners Arbeiten zu Umbra vitae von Georg Heym, Alfred
Döblins Stiftsfräulein und der Tod und den Farbholzschnitten zu Chamissos
Schlemihl. Erich Heckel war vertreten mit den Holzschnitten zur Ballade vom
Zuchthaus zu Reading von Oscar Wilde, Karl Schmidt-Rottluff mit seiner einzigen
Buchillustration zu Alfred Brusts Das Spiel Christa vom Schmerz der Schönheit
des Weibes, schließlich Max Pechstein mit Lithographien zur Samländischen Ode
von Heinrich Lautensack und zu Willy Seidels Yali und sein weißes Weib.
Besonders in der Auseinandersetzung mit expressiven Texten zeigte sich, wie die
Verknappung und Abstraktion der Bildsprache, die Flächigkeit der Darstellung und
das kontrastreiche Schwarzweiß des Holzschnittes kraftvolle und aussagestarke
Bildfindungen befördern. Ergänzt wurde die Ausstellung durch weitere, in
Reaktion auf literarische Vorlagen geschaffene freie Blätter sowie
Autorenporträts, die auch Kunde geben von der engen Vertrautheit zwischen den
Meistern des Wortes und denen des Bildes. Selten konnte man den intensiven
Dialog der Brücke-Maler mit der Literatur in einer solchen umfassenden
Präsentation verfolgen, wofür den Austellungsverantwortlichen ebenso zu danken
ist wie für den empfehlenswerten Katalog.
H. K.
Buchkunst und
Architektur weisen in ihren Entwicklungslinien viele Verwandtschaften
auf; nicht ohne Grund spricht man bekanntlich von Bucharchitektur. Einfacher
erkennbar sind allerdings stilistische Verwandtschaften zwischen Buchkunst und
den angewandten Künsten (Glas und Porzellan, Schmuck, Möbel usw.), da museale
Präsentationen Vergleiche leichter ermöglichen als solche mit der Architektur.
Das Thema Weltanschauungsarchitektur und Buchkunst lockte daher am 5. Juni 2012
ein zahlreiches Publikum ins Leipziger Haus des Buches. Der Leipziger
Bibliophilen-Abend hatte dazu eines seiner auswärtigen Mitglieder, den
Architekten Dr. Henrik Hilbig aus Basel, eingeladen, der in seinem Vortrag den
Beginn des 20. Jahrhunderts in den Blick nahm. Gerade diese Periode der Arts and
Crafts-Bewegung, die sich die Umgestaltung des gesamten privaten und
gesellschaftlichen Lebensumfeldes zum Ziel gesetzt hatte, birgt reiches
Anschauungsmaterial zur Illustrierung des Themas. Theoretische und praktische
Antworten für die Umgestaltung der Lebenswelt in dieser von Aufbruchstimmung und
erweitertem Wissenschaftsglauben geprägten Zeit wurden in esoterischem
Gedankengut, theosophischen und anthroposophischen Ideen, Materialismus und
Mystizismus gesucht. In diesem Zusammenhang richtete der Vortrag das Augenmerk
vor allem auf die um Rudolf Steiner begonnenen Bestrebungen zu einer spirituell
begründeten Reform von illustrativer Kunst und Graphikdesign und deren engen
Zusammenhang zur zeitgleichen Entwicklung eines
›theosophisch-anthroposophischen‹ Baustils. Viele den Anwesenden wohlbekannte
Namen wie Fidus, Peter Behrens, der Friedrichshagener Kreis und die Neue
Gemeinschaft, der Verlag Eugen Diederichs und die Theosophische Gesellschaft
erschienen so unter einem bislang nicht wahrgenommenen neuen Blickwinkel und
führten anschließend an den mit Beifall aufgenommenen Vortrag zu einer
angeregten Debatte. Die Frage allerdings, welche Hintergründe der Ausformung
unserer heutigen Buch- und Baukunst zugrundeliegen könnten, blieb
erwartungsgemäß unbeantwortet.
H. K.
Augenweide & Leselust
heißt es erneut, wenn der Leipziger Bibliophilen-Abend vom 28. September bis zum
15. November 2012 seine in den letzten beiden Dezennien herausgegebe-nen
bibliophilen Drucke in der Johannes a Lasco Bibliothek zu Emden auf Einladung
des Freundeskreises der Bibliothek zeigt. Zur Eröffnung am 27. September wird
Dr. Eva-Maria Hanebutt-Benz, die vormalige Direktorin des Mainzer
Gutenberg-Museums, sprechen. Gezeigt werden die 20 Bände der Leipziger Drucke
und die sechsbändige Folge der Totentänze, eben-so die ersten Bände der im Jahr
2011 aufgelegten Serie SchriftBild. Ein Schwerpunkt der Editionstätigkeit, die
Pflege der Gegenwartsliteratur, wird vorgestellt mit der noch in den 1980er
Jahren begonnenen Reihe 24 x 34. Blätter zu Literatur und Graphik (30 Ausgaben)
und der daran anschließenden Serie Stich-Wort (21 Ausgaben), die sämtlich
Erstausgaben präsentierten. Gelegentlich aus aktuellem Anlaß außerhalb der
genannten Reihen erschienene Drucke, Festschriften zu LBA-Jubiläen,
Ausstellungskataloge und Werkverzeichnisse geben schließlich einen Einblick in
weitere Arbeitsfelder des Leipziger Bibliophilen-Abends.
Albert Kapr – Schrift-
und Buchkünstler, Autor und Lehrer. Die Pirckheimer der Region
Rhein-Main-Neckar und weitere Buchfreunde befaßten sich am 10. Mai mit Leben und
Werk des im Westen meist nur Fachleuten bekannten Schrift- und Buchkünstlers
Albert Kapr, der sich auch als Hochschullehrer, Druckhistoriker und Fachautor
große Verdienste um die Schwarze Kunst erworben hat. Wenngleich Kaprs
Schriftenentwürfe überschaubar sind, so ist doch die Anzahl an optimal
gestalteten schönen Büchern fast Legion. Viele dieser Bücher wurden mit
Auszeichnungen bedacht. Seine Publikationen zur Schrift- und Druckgeschichte,
zur Ästhetik der Schrift und zur Funktion der Typographie sind weit bekannt. Die
Pirckhei-mer-Gesellschaft verehrt in Kapr einen ihrer aktiven Mitbegründer und
Impulsgeber.
Ferdinand
Puhe, der Referent des Abends, hatte viele Beispiele an Literatur mitgebracht,
geschichtliche und schriftästhetische Werke sowie prämiierte Bücher. Er
zeichnete den Le-bensweg des 1918 geborenen Stuttgarters auf, der 1995 als
Leipziger in dieser seiner zweiten Heimat verstarb. Hier hatte er schaffend und
lehrend die wichtigsten Jahre seines Lebens ver-bracht. Ab 1933 hatte Kapr eine
Schriftsetzerlehre in seinem Geburtsort absolviert. Von 1938 bis 1940 und wieder
nach kriegsbedingter Unterbrechung von 1945 bis 1948 studierte er bei F. H.
Ernst Schneidler an der Akademie der Bildenden Künste. Schneidler gilt als
Begründer der Stuttgarter Schule im Arbeitsgebiet der graphischen Gestaltung. In
dieser zweiten Phase war Kapr Meisterschüler von Schneidler und zugleich
Assistent für Schrift an der Technischen Hochschule Stuttgart. 1948 zog es den
Sozialisten in das andere Deutschland. Man bot ihm eine Dozentur für
Gebrauchsgraphik an der Hochschule für Architektur und Bauwesen in Weimar an.
Von dort wechselte Kapr 1951 als Professor für Schrift- und Buchgestaltung an
die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. Dies sollte seine wichtigste
und lebens-bestimmende Wirkungsstätte für die nächsten Jahrzehnte sein. 1956
gründete Kapr das Institut für Buchgestaltung, das er bis 1978 leitete. Viele
bekannte Buchgestalter studierten an diesem Institut. In den Jahren 1959 bis
1961 und wieder von 1966 bis 1973 hatte Albert Kapr das Amt des Rektors der
Hochschule inne. Der Schriftgießerei VEB Typoart in Dresden war Kapr von 1964
bis 1977 als künstlerischer Berater verbunden. Hier wurden seine Schriften
Leipziger Antiqua, Neutra und Prillwitz an die Druckindustrie vertrieben.
Bereits 1959 hatte Kapr für eine Ausgabe von Goethes Faust, die im Institut für
Buchgestaltung hergestellt wur-de, die Schrift Faust gestaltet, die dann als
eine optimal lesbare und ausgesprochen schöne Antiqua auch weiterhin gern
genutzt wurde. Am
Anfang der vielseitigen Buchgestaltungen von Albert Kapr standen Texte von
Goethe. 1949 gab die Landesleitung Thüringen des Kulturbunds eine Festgabe zum
Goethe-Gedenken 1749-1949 heraus, deren Ausstattung in die Hände des jungen
Buchgestalters gelegt wurde. Das auf handgeschöpftem Bütten und Werkdruckpapier
hergestellte 51-seitige Buch zeigt bereits die gestalterischen Merkmale, für die
sich Kapr in seinen späteren Schriften zur Buchgestaltung einsetzte. Hier sei
vor allem das Büchlein Hundertundein Sätze zur Buchgestaltung genannt (2.,
verbesserte Auflage, 1976). Zuvor waren als theoretische bzw. wissenschaftliche
Schriften bereits die Bücher Deutsche Schriftkunst (1955), ABC – Funda-ment zum
rechten Schreiben (1958), Buchgestaltung (1963), Schriftkunst (1971) und
nachfolgend dann Ästhetik der Schriftkunst (1977), Buchkunst der Gegenwart
(1979), Gestalt und Funktion der Typographie (zusammen mit Walter Schiller,
1983), Stationen der Buchkunst (1985), Traditionen Leipziger Buchkunst (1989)
und das vieldiskutierte Fraktur – Form und Geschichte der gebrochenen Schriften
(1993) erschienen. Die Gestalt von Johannes Gutenberg hatte es Albert Kapr
besonders angetan. Werke von bleibender Bedeutung sind das her-vorragend
bebilderte Buch Johannes Gutenberg. Persönlichkeit und Leistung (1987) sowie die
kleineren Schriften Johannes Gutenberg und der Wein (1991) und Gutenberg und
Eltville (1991). Die letztgenannte Broschüre beinhaltet die Wiedergabe eines
Vortrags, den Albert Kapr am 17. März 1991 auf Einladung des Burg-Vereins in
Eltville hielt. Kapr wies in dieser Untersuchung nach, daß Gutenberg als
Johannes de Altavilla im Sommersemester 1418 an der Universität Erfurt
eingeschrieben war. Aus
der Reihe der zahlreichen Buchgestaltungen von Albert Kapr seien besonders
hervorgehoben Shakespeares Der Sturm mit den Illustrationen von Josef Hegenbarth
(1960) und das humorvolle Hans Gentzfleisch an der Pleiße mit Acrylstichen von
Egbert Herfurth (1992). Gerade mit diesem Künstler hat Kapr gern
zusammengearbeitet. Auch die drei Bändchen unter dem Titel Amicis Librorum von
Wolfgang Polte sind Meisterwerke der Gestaltung von Albert Kapr.
Ferdinand Puhe
Worte lieben Bilder
lautete der Titel der Ausstellung in der Kreisbibliothek Eutin, die unser
Pirckheimer-Mitglied Klaus Nowak von Anfang bis Ende Mai dieses Jahres sehr
erfolgreich präsentierte. Es war bereits die vierte Ausstellung aus dem reichen
Bestand seiner Sammlung. Diesmal konnte er sich seinem Lieblingsthema widmen,
der Illustration zur Literatur im 20. Jahrhundert. Über hundert Bücher waren
dafür ausgewählt und in den Vitrinen präsentiert worden. Begeitet von über
fünfzig Graphiken mit literischem Bezug. Dem Besucher bot eine Versammlung
bekannter Namen aus der Literatur, wie Goethe, Voltaire, Balzac, Dickens,
Boccaccio, E. T. A. Hoffmann, Wilde, Fontane, Mann, Brecht, Neruda, Ringelnatz,
Jandl, und aus der Kunst, wie Picasso, Chagall, Míro, Klinger, Beckmann, Klee,
Arp, Grosz, Grieshaber, Janssen, Wunderlich, einen guten Überblick. Die
Ausstellung widmete sich der Korrespondenz von Wort und Bild, die sich nicht nur
ergänzend und spiegelnd ausdrückt, sondern in den gelungensten Beispielen eine
neue, kongeniale Gemeinschaft bildet. Das Bild liefert sowohl eine eigene
Interpretation des Textes, eine spezielle Sichtweise als auch eine zusätzliche
Ausdrucksmöglichkeit, eine eigenwertige Qualität. So konnte auch in dieser
Zusammenfügung ein neues „Gesamtkunstwerk" entstehen. Beachtenswert war, daß
sich mit den gezeigten Exponaten auch Schulklassen berufsorientierter
Weiterbildung selbständig in ihren Arbeiten auseinandersetzen konnten.
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