Zum Tode von Wolfgang Rasch. Aus den Internet-Nachrichten der Pirckheimer-Gesellschaft mußten wir es erfahren: Am 29. Juli dieses Jahres ist Wolfgang Rasch im achtundsiebzigstem Lebensjahr verstorben. Mit dem langjährigen Geschäftsführer der Stiftung Buchkunst in Frankfurt am Main und Leipzig verbinden sich für die Berliner und die Leipziger Pirckheimer, aber auch für unsere Freunde in anderen Orten viele Erinnerungen an wunderbare Erlebnisse, Höhepunkte im bibliophilen Gemeinschaftsleben. Seit 1993 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2000 stellte uns Wolfgang Rasch, mit großer Fracht aus Frankfurt angereist, die „Schönsten deutschen Bücher“ des jeweiligen Vorjahres vor. Sein Enthusiasmus, seine Sachkenntnis, die Einblicke, die er in die Arbeit der Entscheidungsgremien gewährte, welche die „Schönsten Bücher“ kürten, sein mitreißender humorvoller Vortrag – sie werden jedem, der sie miterleben durfte, unvergeßlich bleiben. Als Seele, als Moderator des Wettbewerbs war er fast zwei Jahrzehnte dafür verantwortlich, daß die „Schönsten Bücher“ des Jahres ausgezeichnet und damit neue Impulse, wegweisende Beispiele der zeitgenössischen Buchkunst ins Blickfeld von Fachwelt und Öffentlichkeit gerückt wurden. Auf den Buchmessen in Leipzig wie in Frankfurt erlebten wir Wolfgang Rasch alljährlich als nimmermüden Botschafter der Buchkunst, der täglich Tausenden von Messebesuchern Qualität und Schönheit von Spitzenprodukten zeitgenössischen nationalen wie internationalen Buchschaffens erläuterte. Der Schreiber dieser Zeilen hatte sich nach der deutschen Vereinigung in der Hoffnung nach Frankfurt gewandt, dort ältere Exemplare des Archivs für Geschichte des Buchwesens mit Beiträgen, die seiner Arbeit wichtig waren, erwerben zu können. Ältere Exemplare gab es nicht mehr, dafür traf ein stattliches Paket mit Kopien aller benötigten Beiträge ein. Absender: Wolfgang Rasch.
Auch nach seinem Eintritt in den „Ruhestand“ blieb Wolfgang Rasch der Passion seines Berufslebens treu – lehrend, sammelnd, Mitstreiter gewinnend. Den Berliner Pirckheimern stellte er im Januar 2006 wie immer voller schwungvollem Humor erstaunliche Objekte aus seiner Sammlung von Buchkuriosa vor (vgl. den Bericht von Ursula Lang in Marginalien, H. 182). Den Freundeskreis Eva Johanna Rubin, dessen Mitglied er war und der ein- oder zweimal im Jahr in Berlin unter Leitung von Carola Pohlmann tagt, erfreute er, indem er mehrmals eigens zu den Zusammenkünften des Kreises aus Frankfurt einflog und seine Diskussionen lebhaft bereicherte.
Anläßlich seiner Verabschiedung in den „Ruhestand“ im Dezember 2000 schenkten führende Vertreter des Buchschaffens unserer Zeit dem verdienten Buch-Enthusiasten – „Mister Book Art“, ausgezeichnet als „Förderer des deutschen Buches“ – ein wunderschönes Buch mit dem verschmitzten Titel Rasch-Hour als „Abschiedsbukett“, würdig höchsten Lobes, enthaltend „erfrischende Erinnerungen, ermunternde Zurufe, wehmütige Abschiede für einen großen Mann mit weitem Herzen“. Das Buch wird auch kommenden Generationen vom heutigen Buchschaffen und von dem „großen Mann mit weitem Herzen“ künden, dem es gewidmet ist. Um diesen großen Mann, der dem schönen Buch und seinen Schöpfern, der allen Freunden des schönen Buches ein Freund war, trauern wir. Wir ehren ihn, indem wir ihm auch künftig sind, was er mir in mein Exemplar von Rasch-Hour schrieb: „Mitstreiter im Kampf um schöne Bücher“.
Fritz Jüttner

Verleger des Oberbaum-Verlages gestorben. Siegfried Heinrichs (4. Okt. 1941 – 8. April 2012) hatte in jungen Jahren mehr als drei Jahre hinter Gittern verbringen müssen, weil sein Bruder seine DDR-kritischen Gedichte den Behörden übergab, anstatt sie zu verstecken. Das prägte ihn fürs Leben. 1974 konnte er nach West-Berlin ausreisen, wo er zu der bald vielköpfigen Szene der Schriftsteller und Künstler aus der DDR gehörte. Er veröffentlichte Bücher mit Lyrik und Prosa, in denen er seine Erlebnisse in der DDR verarbeitete. 1985 übernahm er den vom Konkurs bedrohten Oberbaumverlag, den er fortan allein betrieb. Die andauernden finanziellen Probleme konnte er nur dadurch bewältigen, daß er weiterhin seiner Tätigkeit als Materiallagermeister in einer Sanitäreinrichtung nachging. Heinrichs änderte das Programm des Oberbaumverlags, eines geistig bislang der 68er Bewegung verpflichteten Unternehmens, in Richtung Literatur von Dissidenten aus der DDR und den sozialistischen Staaten Osteuropas. Es erschienen Bücher von Sieghard Pohl, Rüdiger Rosenthal und Cornelia Schleime, Anna Achmatowa, Ossip Mandelstam, Marina Zwetajewa, Miklós Radnóti und Sándor Márai. In der Zeitschrift Horch und Guck (Heft 2/2012) berichten der Publizist Gerold Hildebrand und der Verlagsautor Utz Rachowski ausführlich über Leben und Wirken des Dissidenten und Verlegers.

100 Jahre Insel-Bücherei im Bücherhaus Bargfeld. Am 22. und 23. September 2012 versammelte sich im Heidedörfchen Bargfeld (einstmals Wohnort Arno Schmidts) auf Einladung des Antiquars und Pirckheimers Hermann Wiedenroth eine Schar von Sammlern, Connoisseuren und Kulturtouristen, um den 100. Geburtstag der Insel-Bücherei zu feiern.
Zunächst öffnete am Samstag Mittag die Arno Schmidt Stiftung ihre Tür, um die Ausstellung „Iss denn nischt im Radio“ zu zeigen, in der die Bedeutung des Rundfunks in Arno Schmidts Leben und Werk aufgezeigt wird. Hier sind die Rundfunkgeräte zu sehen, die Arno Schmidt und seine Frau Alice im Lauf der Jahrzehnte benutzt haben (Siemens, Philipps, Nordmende), die Stellen im Werk des Autors sind dokumentiert, in denen diese Geräte erscheinen, die Stellen in den Tagebüchern Alice Schmidts sind zu sehen, in denen mit Bild und Zeichnung das jeweils benutzte Gerät erwähnt wird. Schmidts Schriftwechsel mit Rundfunksendern und Redakteuren ist in markanten Beispielen repräsentiert (Heißenbüttel, Szcesny, Enzensberger, Andersch und andere) ebenso Entwürfe, Vorarbeiten und Reinschriftbeispiele von Schmidts Arbeiten für den Rundfunk sind zu sehen. Gut erkennbar wird die Wichtigkeit des akustischen Mediums für Schmidt, dem es einerseits die oft dringend benötigten Einkünfte verschaffte, das ihm andererseits auch die Verbindungen zur Außenwelt aufrecht erhielt, ohne die der einsiedlerisch lebende und arbeitende Autor vom Weltlauf und vom Zeitgeschehen gänzlich abgeschnitten geblieben wäre.
Am frühen Nachmittag wurde im „Bücherhaus Bargfeld“, dem Antiquariat Hermann Wiedenroths, eine Ausstellung handgefertigter Buntpapiere von Gisela Reschke eröffnet. Die Hamburger „Papiererin“ erläuterte in einem Vortrag die alten Techniken der Herstellung von Kleisterpapier, Tunkpapier (= Marmorpapier), Bronze-Firnis-Papier, Modeldruck-Papier und Brokatpapier und zeigte Beispiele aus ihrer Arbeit, in denen sie diese Techniken produktiv verwendet hat. Seit vielen Jahren entwirft sie auch Bezugspapiere für die Insel-Bücherei, und inzwischen sind es 65 Bändchen, die sie unter enger Beziehung zum Inhalt der Schriften eingekleidet hat. Ein herausragendes Objekt aus dieser Reihe ist die Nummer 1350, Rilkes Cornet, einst das Bändchen mit der Nummer 1, das diesmal zum 100. Geburtstag in einer limitierten Auflage von 650 Exemplaren in ein Original-Kleisterpapier von Gisela Reschke gebunden und vom Illustrator Karl-Georg Hirsch handsigniert herausgekommen ist. Besonderes Interesse fand auch der Insel-Band 1313 mit Arno Schmidts Stürenburg-Geschichten, für den Gisela Reschke ein zum Vermessungsrat a. D. Stürenburg passendes Bezugspapier entworfen hatte, das geometrisches Maßwerk mit einer von oben gesehenen Bodenfläche auf Kleisterpapier vereinigte.
Gegen Abend las der Autor, Maler, Rezitator und Geschäftsführer der Arno Schmidt Stiftung, Bernd Rauschenbach, aus Band 1313 der gefeierten Reihe eine Anzahl von Stürenburg-Geschichten, die er zum Ergötzen des Publikums mit vollem Einsatz seiner stimmlichen Mittel vortrug.
Am Sonntagvormittag konnten die ausgestellten Papiere von Gisela Reschke erneut besichtigt werden, und es gab Gelegenheit, mit der Künstlerin über ihre Arbeiten zu sprechen. Danach hielt der Hausherr Hermann Wiedenroth einen Vortrag zum Thema „Haltet mir die Insel rein. / Lasset kein Gerinnsel ein!“ 100 Jahre Insel-Bücherei, in dem er „die Geschichte und die Gestaltung der Insel-Bücherei in ihrem ersten Jahrhundert“ vorstellte. Mit ausgewählten Beispielen zeigte er die Entwicklung und die Veränderungen der inneren und äußeren Gestaltungen der Bändchen und berichtete von herausragenden Einzelstücken, für die Sammler hohe Preise zahlen. Wiedenroth selbst outete sich als Vollständigkeit anstrebender Insel-Sammler. Dennoch bot er Hunderte von Dubletten zu günstigen Sonderpreisen an, von denen auch eine große Anzahl verkauft wurde. Zum Abschluß der Feierlichkeiten gab es im Bücherhaus ein festliches Konzert mit englischen und italienischen Liedern, gesungen vom Counter-Tenor Denis Lakey und begleitet von der Pianistin Gráinne Dunne, die über Nacht dieses Programm zusammenstellen mußten, weil die ursprünglich als Sängerin angekündigte Sopranistin Julia Rempe leider erkrankt war. Hier zeigte sich jedoch das künstlerische Potential Bargfelds in gelungenster Weise. Wo in der Welt gäbe es wohl ein zweites Dorf, das zu solchem Anlaß Ausstellung, Lesung, Vortrag und Diskussion böte und darüber hinaus noch unvorhergesehene Schwierigkeiten derart souverän meisterte.
Ulrich Goerdten

Jahrestagung des Schweizerischen Exlibris-Clubs 2012. Der Einladung zur Jahrestagung des Schweizerischen Exlibris-Clubs (SELC) am 21. und 22. September in Bern waren 30 Teilnehmer gefolgt, denen ein kurzweiliges Programm geboten wurde. Lic. phil. Annelies Hüssy führte am Nachmittag des 21. September 2012 durch die Burgerbibliothek Bern einer öffentlichen wissenschaftlichen Institution, die das Archiv der Burgergemeinde Bern und das der burgerlichen Gesellschaften und Zünfte führt. Weiter sammelt und bewahrt die Burgerbibliothek Bern wertvolle und international bedeutende Bestände an Buchhandschriften, Archivalien und Bilddokumenten vorwiegend zur bernischen Geschichte. Mit über 1100 mittelalterlichen Handschriften und mehr als 40 000 Bilddokumente (Graphik und Fotografie) sowie bernische Porträts bis 1900 ist die Burgerbibliothek eine der wichtigsten Bibliotheken Berns und auch der Schweiz.
In der von der Bibliothek herausgegebenen Schriftenreihe Passpartout werden aus den reichen Archiv-Beständen und Nachlässen, unter anderem die von dem Arzt, Naturforscher und Dichter Albrecht von Haller (1708-1777) und dem Künstler Rudolf Münger (1862-1929), wertvolle Handschriften, Archivalien und besondere Objekte vorgestellt. Die Schriftenreihe Passpartout ist sorgfältig erarbeitet, reich bebildert und schön gestaltet. Die Reihe kann über die Buchhandlungen abonniert werden und kostet je Band 34,– Euro. Zur Jahrestagung des SELC erschien in der Reihe der Band Rudolf Münger und sein Künstlerkreis (120 S., mit zahlreichen Illustrationen, Br., 25 x 20 cm). Ebenfalls zur Jahrestagung legte der SELC die Jahresgabe Nr. 50 Rudolf Münger (1862-1929) ein Berner Maler und seine Exlibris vor (70 S., Br., 30 x 21 cm, 12,– Euro + Porto, zu beziehen bei Anna Stiefel, Heiligbergstraße 35, CH-8400 Winterthur). Während die erste Schrift das Wirken Rudolf Müngers in Bern im Kreise seiner Malerkollegen zeigt, sind doch die Arbeiten von Rudolf Münger in Bern im öffentlichen Raum unübersehbar, ist letztere Schrift ausschließlich den Exlibris gewidmet. Rudolf Münger hat nachweislich 66 Exlibris geschaffen, die alphabetisch nach Eignern aufgeführt und abgebildet sind. Die Jahresgabe ist sehr sorgfältig erarbeitet, die Literatur zu Rudolf Münger ist in Auswahl erfaßt, so daß sich beide Schriften sehr gut ergänzen.
Beim abendlichen Festessen ließ man den Tag Revue passieren, hatten die Teilnehmer doch vieles in der Burgerbibliothek gesehen, auch Bibliophiles aus der Bibliothek Albrecht von Haller mit dem Exlibris, das Haller für seine Bücher verwendete. Der Samstag, der 22. September 2012, begann mit der Jahresmitgliederversammlung. Der alte Vorstand des SELC wurde in seinem Amt bestätigt. Die Traktandenliste wurde zügig abgearbeitet, denn bereits um 10.30 Uhr war eine Stadtführung durch das mittelalterliche Bern angesetzt, die ganz im Zeichen von Rudolf Münger stand. Rudolf Münger hat viele öffentliche Aufträge in Bern ausgeführt, bekannt sind die Arbeiten im Kornhauskeller zu Bern und ganz besonders die Zunftstuben der Berner Zünfte des einstmals größten europäischen Stadtstaates.
Exlibris konnten in ruhiger und angenehmer Atmosphäre an beiden Tagen in der Berner Stube des Kultur-Casinos getauscht werden. Die Teilnehmer werden Bern und die Tagung in bester Erinnerung behalten.
Manfred Neureiter

Die Braginsky Collection. Der Zürcher Unternehmer René Braginsky verfügt über eine be-merkenswerte Sammlung hebräischer Manuskripte und Druckwerke (www.braginsky-collection.com). Hier haben viele bedeutende Werke der jüdischen Buchgeschichte ihre Heimstatt gefunden. Vor einigen Jahren wurde an Braginsky erstmals die Idee einer Ausstellung bedeutender Stücke aus seiner Sammlung herangetragen und von ihm positiv beschieden. Stationen der außerordentlich gut besuchten und mit einem englischsprachigen Katalog begleiteten Ausstellung waren Amsterdam, New York und Jerusalem. Nun kehrte die Sammlung 2011 nach Zürich zurück und wurde, mehrfach verändert und ergänzt durch einige bedeutsame Stücke, die in den vergangenen zwei Jahren hinzugekommen waren, im Landesmuseum Zürich gezeigt. Auch der Katalog erfuhr zahlreiche Veränderungen. Er wurde gründlich überarbeitet, korrigiert, teils neu arrangiert, ergänzt und mit vertiefenden Exkursen versehen – und er liegt in deutscher Sprache vor: Schöne Seiten. Jüdische Schriftkultur aus der Braginsky Collection Hrsg. v. Emile Schrijver u. Falk Wiesemann. Zürich: Scheidegger & Spiess, 2011. 335 S. Pp. 8°. 54,– Euro. ISBN 978-3-85881-332-9. Diese Ausstellung markiert „keinen Schlusspunkt, sondern lediglich eine wichtige Etappe dieser Sammlung zur jüdischen Schriftkultur“ (S. 9), und so ist zu hoffen, daß sie auch nach Deutschland kommt. Der Katalog gibt einen Überblick über den reichen und breit gefächerten Bestand der Braginsky Collection, enthält mehrere umfangreiche Beiträge über Teile der Sammlung und vermittelt schließlich Kostproben von Handschriften, Büchern, Schriftrollen und jüdischen Hochzeitsverträgen. Sichtbar wird auch ein Schwerpunkt der Sammlung, die illustrierten Handschriften, die im 18. Jahrhundert in Mittel- und Nordeuropa entstanden und einen Höhepunkt der jüdischen Handschriftenkunst darstellen. In diesem Zusammenhang sind auch die Exkurse über die bedeutenden Buchkünstler Aaron Wolf ben Benjamin Herlingen und Charlotte Rothschild zu sehen. Der umfangreiche, aufwendige, reich illustrierte und gut gestaltete Katalog sei allen Bücherfreunden wärmstens empfohlen.
Dieter Schmidmaier

450 Jahre Andreas-Möller-Bibliothek zu Freiberg. Die offiziell 1565 gegründete Andreas-Möller-Bibliothek am heutigen Geschwister-Scholl-Gymnasium zu Freiberg wird im Jahre 2015 auf 450 Jahre ihres Bestehens zurückblicken können. Ihre Bestände sind jedoch zum Teil wesentlich älter: Mit fast 550 Inkunabeln und über 1750 Frühdrucken ist die Bibliothek ein Kleinod in der Bibliothekslandschaft und die letzte noch existierende historische Schulbi-bliothek in Sachsen. In Vorbereitung des Jubiläums und zur Bewahrung wertvollen kulturellen Erbes ist die Herausgabe eines Prachtbandes Freiberger Bücherschätze. Zimelien der Andreas-Möller-Bibliothek geplant. Dieser Band wird die Geschichte der Bibliothek im Kontext mit der Freiberger Kulturlandschaft darstellen und ihre schönsten Exponate präsentieren. Das Buch erscheint im Sax-Verlag und wird dank Subventionierung nur 29,50 Euro kosten (ISBN 978-3-86729-114-9); eine Ausgabe mit Schuber ist für 39,50 Euro lediglich über die Bibliothek erhältlich.

Spätmittelalterliche Blockbücher der Bayerischen Staatsbibliothek München. Der Anlaß für eine Ausstellung und den dazu gehörigen Katalog ist ein von der Deutschen Forschungs-gemeinschaft gefördertes Projekt zur Erschließung und Digitalisierung aller in bayerischen Einrichtungen vorhandenen Blockbücher: Vom ABC bis zur Apokalypse. Leben, Glauben und Sterben in spätmittelalterlichen Blockbüchern. Luzern: Quaternio Verlag; München: Bayerische Staatsbibliothek, 2012. 168 S. Pp. 4°. (= Bayerische Staatsbibliothek. Schatzkammer 2012.) 19,80 Euro. ISBN 978-3-905924-12-1 Euro. Blockbücher, auch als Holztafeldrucke oder xylographische Drucke bezeichnet, sind Werke vorwiegend aus dem 15. Jahrhundert, die von ganzen Holztafeln gedruckt wurden. Sie dienten vor allem zur Verbreitung von Werken, die einen geringen Umfang hatten und bei denen Bild und Text eine enge Verbindung eingingen. Das betrifft die verschiedensten Bereiche des Alltagslebens. So finden sich als Themen beispielsweise kurze Abrisse mit grundlegendem religiösem Wissen und Unterweisungen in christlicher Lebensführung (u.a. Symbolum apostolorum, Biblia pauperum, Ars moriendi), Reiseführer für Pilger zu beliebten Zielen, Kalender und Anweisungen zur Handlesekunst. Weltweit sind heute noch etwa 600 Exemplare erhalten, davon befinden sich 69 in bayerischen Bibliotheken. Blockbücher gehören damit zu den kleinsten und wertvollsten Sammlungen der Bibliotheken.
In dem Katalog werden 15 Blockbücher aus der Bayerischen Staatsbibliothek vorgestellt, und da das 15. Jahrhundert eine große mediale Umbruchphase darstellt, zeigen die Herausge-ber auch zeitgenössische handschriftliche und gedruckte Überlieferungen der vorgestellten Blockbücher – eine großartige Idee! Der sehr gut gestaltete Katalog enthält ein Vorwort von Rolf Griebel, eine Einführung der Kuratorin Bettina Wagner, den Katalogteil, einen Beitrag zu den Provenienzen der Münchener Blockbücher von Rahel Bacher und einen Anhang mit einem Glossar, einem Literaturverzeichnis, einem Namenregister, einem Signaturenregister und bibliographischen Nachweisen. Zu den herausragenden Ausstellungsstücken gehören die Biblia pauperum, eine Chiromantie von Johannes Hartlieb („Chiromantie bezeichnet die Kunst, aus den Linien und Zeichen der Hände eines Menschen Vorhersagen für sein zukünftiges Schicksal zu treffen“, S. 75), ein Kalender von Regiomontanus, dem bedeutendsten Astronomen des Spätmittelalters vor Kopernikus, sowie ein Mirabiliae Romae, ein Reiseführer für Rompilger.
Dieter Schmidmaier

Franz Hohlers Spaziergänge. „,Gehen‘ gehört zu meinen Lieblingswörtern“, mit diesem wohltuenden Satz führt der Schweizer Dichter Franz Hohler (geb. 1943) in seinen wunderbaren Band Spaziergänge (München: Luchterhand Literaturverlag, 2012, 154 S. Pp. 18,99, ISBN 978-3-630-87386-2) ein. „…über alle Spaziergänge habe ich etwas geschrieben“, fährt er fort. So fügt sich eine kurze Erzählung an die andere, scheinbar federleicht niedergeschriebene Eindrücke von Spaziergängen in Zürich und Umgebung und auch weiter weg. Diesen poetischen „Erträgen“ wöchentlicher Aufbrüche zwischen dem 12. März 2010 und dem 4. März 2011 vermag der Leser berührt, ja fasziniert zu folgen, weil sie wie Kostbarkeiten dargeboten werden, funkelnd zwischen beglückendem oder auch sonderbarem Erlebnis und lebendiger Erinnerung an Verschwundenes und Erloschenes und irgendwie befreit von dem Gedröhn des Heute.
Unversehens spaziert der Leser mit dem Herrn Hohler, der schon auf dem Schutzum-schlag dazu einlädt und einem keine Wahl läßt, „Die alte Straße entlang“, „Zum See“, „Sehr weit weg“, „Nach Süden“, „Nach Norden“, „Nach Westen“, „Nach Osten“, auf einem „Traumpfad“, „In die Öde“, „Zum Zoo“ und auf „Das höchste Dorf“ zu. Aber auch „Zur Messe“ und in die „Weltbibliothek“ folgt er ihm, begleitet ihn als „Poesiekurier“ und auf dem „Skulpturenweg“ und noch sonst wohin. Etliche der schönen Texte sind leise Liebeserklärun-gen des „Wörtersammlers“ an die Literatur, ihre Schöpfer und Liebhaber. Mit Hohler durch seine „Weltbibliothek“ zu wandern, ist freudige Selbstbestätigung und Aufforderung zugleich, wieder einmal die eigene Bibliothek genauer zu begutachten, das „geistige Generalabonnement“ auf Himmel und Hölle wahrzunehmen und sie alle zu trösten, die so lange schon auf einen Besuch warten, „Schweyk, Don Quichote und Doktor Schiwago, Heinrich Lee, die Geschwister Tanner, Alexis Sorbas und Madame Bovary …“ und die vielen anderen, die alle „so viel zu erzählen hätten …“ Bis zu „Kein(em) Ort. Nirgends“ und auf einen Friedhof führt uns der Spaziergänger, wo sie alle ruhen, deren Bücher „Grab- und Lebenssteine zugleich“ sind.
Auch bei dem Messe-Rundgang mit Franz Hohler kommt der Leser auf seine Kosten, wenn er etwa vor einem verstopften Durchgang steht, weil ein Menschenknäuel Helmut Kohl erwartet. „Das ist eigentlich kein Dichter“, so Hohler, „und man könnte eine Sekunde lang neidisch werden auf den Zulauf, aber nur bis man sich sagt, man fühle sich doch wohler in der eigenen Haut.“
Hinter den in allen Texten aufleuchtenden Schönheiten des Lebens verrät sich ein welt-gewandter Menschenfreund. Kleine und kleinste Begebenheiten geraten ihm unter der Hand zu Ereignissen am Wegesrand, ein „verwirrter Autofahrer“, „Dosenbiertrinker auf der Bank“, „Brombeeren und Brennesseln“, die Erinnerung an einen Wald, die zum Traum gerät, „Schneefälle“, die übers Land gezogen sind. Der letzte Spaziergang, der frühmorgens am 4. März 2011 „Nach Osten“ führt, endet mit einer Verneigung vor der uralten aufgehenden Sonnenkugel, „die unsere Erde seit viereinhalb Milliarden Jahren mit ihrem fernen Feuer wärmt.“
Eine im wahrsten Sinne des Wortes beglückende Lektüre erwartet und belohnt den Leser.
Ursula Lang

Schöne neue Kinderbücher. Im Vorfeld der Frankfurter Buchmesse sind bereits wieder einige empfehlenswerte Kinderbücher erschienen, denen „Erfolg“ bei Kindern und Erwachsenen beschieden sein möge. Da ist zunächst Freunde von der niederländischen Künstlerin Mies van Hout, das man fast als Künstlerbuch bezeichnen könnte. Auf schwarzem Grund erscheinen doppelseitig stark farbige Fabelwesen, die kindgemäße Verhaltensweisen oder Tätigkeiten darstellen. Der jeweilige Begriff wie spielen, rumhängen, ärgern, kämpfen, heulen, schmollen, sich schämen, zweifeln, verzeihen, vertrauen, lachen und knuddeln ist geradezu pantomimisch dargestellt. Kinder – oder nicht nur sie – werden davon träumen. Mies van Hout, Jahrgang 1962, studierte an der Kunstakademie Groningen. Seit 1989 als freischaffende Illustratorin tätig, hat sie viele Kinderbücher gestaltet (aracari-Verlag, Männedorf, 32 S., 33,5 x 20,5 cm, Euro 13,90, ISBN 978-3-905945-36-2).
Das Buch Fabeln von Aesop, illustriert von Ayano Imai, muß man quer lesen, will heißen, man klappt den Buchdeckel nicht auf, sondern hoch, Bild oben, Text unten. Letzterer ist mit Vignetten versetzt und das Ganze in zarten Pastellfarben gehalten. Die poetischen Illustra-tionen der 1980 in England geborenen Japanerin gewähren einen neuen Blick auf Aesops Fabeln, die ja bereits seit Jahrhunderten im kulturellen Bewußtsein verankert sind. Die hier vereinigten zwölf Fabeln, die zu den schönsten gehörten, sind geeignet, das Urteilsvermögen von Kindern zu schärfen (minedition, Bargteheide, 32 S., 29 x 22 cm, Euro 13,95, ISBN 978-3-86566-153-1).
Bruno Hächler, 1960 geboren, ist Redakteur und Musikjournalist in der Schweiz. Er erfand die anrührende Geschichte von Hubert und dem Apfelbaum, die von dem in Heidelberg lebenden Graphiker Albrecht Rissler, Jahrgang 1944, mit lebhaften Bildern – kräftige Pastellkreide – illustriert wurde. Erzählt wird das Leben im alten Apfelbaum, das der kleine Hubert täglich vom Fenster aus beobachtet. Eines Tages steht der Baum, vom Blitz getroffen, ganz schief im Garten. Doch Hubert weiß, wie er seinem alten Freund helfen kann (minedition, Bargteheide, 32 S., 25 x 25 cm, Euro 13,95, ISBN 978-3-86566-155-5).
Der kleine Takku ist stark kurzsichtig, was ihm manche Unannehmlichkeit beschert, aber ihm auch ganz neue Möglichkeiten eröffnet, vor allem eine andere Sicht der Dinge. Im Buch Hat der Tiger Herrn Semmler gefressen? wird im ersten Teil von Takkus etwas mühsamem Jungenleben berichtet. Im zweiten Teil folgt die eigentliche Titelgeschichte, beide Teile erzählt von Justus Herrenberger, Jahrgang 1920, und illustriert von Marcus Herrenberger, Jahrgang 1955, der erstere Professor für Baukonstruktion, der zweite Lehrstuhlinhaber für Zeichnen und Illustration. Die lebendig erzählte phantastische Geschichte gewinnt durch die stark-farbigen und stimmungsvollen Bilder. Auch an diesem Kinderbuch können Erwachsene ihre Freude haben (minedition, 32 S., 29 x 24 cm, Euro 13,95, ISBN 978-3-86566-157-9).
Wieder fällt ein von Lisbeth Zwerger illustriertes Büchlein durch seine noble Gestaltung auf. Die minedition von Michael Neugebauer brachte als Minibuchausgabe das erstmals 1984 erschienene Buch Der selbstsüchtige Riese von Oscar Wilde neu heraus. Das bezaubernde Märchen wurde von der bekannten Künstlerin (1954 in Wien geboren) liebevoll illustriert. Dem linksseitigen Text in der Diotima von Gudrun Zapf-von Hesse steht rechts das zartfarbige Bildchen gegenüber. Lisbeth Zwerger illustriert bereits seit 1977 für Michael Neugebauer und wurde seither mit vielen internationalen Preisen ausgezeichnet (32 S., 19 x 15 cm, Pp. im Schuber, Euro 8,95, ISBN 978-3-86566-213-2).
Ganz anders, ja drastischer geht es in Carlotta und der Muskelmann von Melanie Laibl, Jahrgang 1973, zu. Die stolze Carlotta und ihr Mops Oscar bleiben unbeeindruckt von allen bisherigen Verehrern. Keiner ist ihnen gut genug, bis eines Tages ein Zirkus in die Stadt kommt. Und da ist Carlo, der allerstärkste Mann der Welt. Nun ist Carlottas Herz entflammt, doch sie muß allerhand anstellen, um den Auserwählten für sich – und Oscar! – zu gewinnen. Umwerfend lustige Bilder von Ina Hattenhauer (1982 in Berlin geboren) würzen die tragikomische Erzählung (Nilpferd in Residenz, 48 S., 24 x 16,5 cm, Euro 12,90, ISBN 978-3-7017-2111-5).
„Bär und Igel sind ganz Ohr,/ denn die Eule liest was vor.“ So lautet einer der vielen Reime in dem Buch Wunderbare Bärenzeit, das Erwin Moser (1954 in Wien geboren) gedichtet und mit wundervollen Bildern und Vignetten versehen hat. Hier erfährt man, was ein Bär so den ganzen Tag unternimmt. Wer hätte das vorher gewußt? Aus all diesem „Miterleben“ entstand ein lustiges Buch für Klein und Groß, in dem man gern immer wieder blättert (Nilpferd, 64 S., 24 x 16,5 cm, Euro 14,90, ISBN 978-3-7017-2113-9).
Ungebrochen ist die Fabulierfreude der seit Jahrzehnten durch ihre Lyrik und Prosa bekannten Autorin Christine Nöstlinger (1936 in Wien geboren). Nun liegt eine Erzählung über zwei seltsame, aber äusserst liebenswerte Drachen vor, die von Jens Rassmus (1967 in Kiel geboren) kongenial illustriert wurde. In Guter Drache & Böser Drache geht es um Mutigsein und Mutmachen, und das erzählt in der unnachahmlich klugen und witzigen Weise, wie Christine Nöstlinger sie beherrscht. Der Illustrator schuf traumhafte vielfarbige Bilder, die ihrerseits die Phantasie anzuregen vermögen (Nilpferd, 40 Seiten, 30 x 23 cm, ISBN 978-3-7017-2112-2, Euro 14,90).
Ferdinand Puhe

Kupferstich von Baldwin Zettl. Von der Vorzugsausgabe eines Faltblattes, das anläßlich der Ausstellung Blätter zu Goethe und Exlibris in Magdeburg 2010 erschienen ist, sind noch eini-ge Restexemplare verfügbar. Die VA enthält den Kupferstich Eros wie sehe ich dich hier! zu Goethes Gedicht Zeitmaß. Interessenten können das Faltblatt (mit dem Kupferstich) zum Preis von 35 Euro (plus Porto) unter folgender Adresse bestellen: Peter Labuhn, Blumenthal-straße 14, 39576 Stendal.