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Redaktionsschluss 15. April 2012
Gerhard
Goßmann zum Gedenken. Am 1. November dieses Jahres wäre der Maler, Graphiker
und vor allem Buchillustrator Gerhard Goßmann 100 Jahre alt geworden.
Generationen junger Menschen in der DDR erleichterten seine Illustrationen den
Einstieg in das große Wunderland der Literatur; seine Bücher waren häufig
zugleich eine erste Begegnung mit der bildenden Kunst. Angefangen mit den
großformatigen, prächtig farbig illustrierten Märchenbänden der Völker der
damaligen Sowjetunion, wie Die Wunderblume oder Der blanke Schild, über die
Märchendichtung der deutschen Romantik von Hauff, Contessa und E. T. A. Hoffmann
bis zu Robinson Crusoe, Don Quijote und den Lederstrumpferzählungen, zählen über
250 illustrierte Bücher zu seinem Lebenswerk. Die MARGINALIEN berichteten zwei
Mal über Goßmanns Werk (H. 62, 1976 und 163, 2001).
Vielfältig waren schon zu seinen Lebzeiten die Ehrungen. Von allen Orden und
Preisen lag dem exzellenten Radierer und engagierten Sozialisten am meisten der
Käthe-Kollwitz-Preis am Herzen, den er 1986 aus den Händen des
Gründungsmitglieds unserer Gesellschaft und damaligen Sekretärs der Akademie der
Künste, Prof. Werner Klemke entgegennahm. Auch in seiner Heimatstadt
Fürstenwalde/Spree wird sein Erbe in würdiger Form bewahrt. So ist eine
Grundschule nach ihm benannt. 2004 konstituierte sich unter der Leitung des
Kulturwissenschaftlers Frank Drömert, der seine Diplomarbeit über den Künstler
geschrieben hatte, ein Freundeskreis Gerhard Goßmann. Am 3. Juli 2009 wurde auf
dem Fürstenwalder Marktplatz unweit des Rathauses eine Denkmal eingeweiht: Eine
2,10 m hohe und 200 kg schwere Bronzeplastik von Gerhard Goßmann, die der
Berliner Künstler Robert Metzkes (Sohn des Malers und Graphikers Harald Metzkes)
geschaffen hat. Über vier Jahre lang hat der Fürstenwalder Verschönerungsverein
die dafür benötigten 40 000 Euro durch Spenden eingeworben.
In diesem Jubiläumsjahr ist das Veranstaltungsangebot besonders vielfältig.
Ganzjährig vom 1. Januar bis zum 31. Dezember ist im Museum Fürstenwalde/Spree
die Ausstellung Goßmann. Der Grafiker mit zum Teil selten gezeigten Radierungen
zu sehen. Bereits vom 12. April bis 25. Mai zeigte das Haus Brandenburg eine
Ausstellung mit Gemälden und Gra-phiken aus der Privatsammlung von Hans-Dieter
Winkler aus Chorin, darunter das von Goß-mann gemalte Porträt seiner Frau
Christa. Am 16. April fand im Fürstenwalder Rathaus eine Pressekonferenz mit dem
Bürgermeister statt, wo sämtliche Aktivitäten und Veranstaltungen zum
Goßmann-Jubiläum erläutert wurden. Vorgestellt wurde dort auch die
Bilddokumentation Gerhard Goßmann. Ein Leben als Gestalter voller künstlerischer
Ideen, in der der Herausgeber und Autor Helmut Fechner (Erkner) Goßmanns
baugebundene Kunst darstellt. Ebenfalls am 16. April fand abends in der
Kulturfabrik Fürstenwalde eine Lesung mit der Schauspielerin Birgit Breuer aus
dem von Gerhard Goßmann illustrierten Buch Don Quijote statt.
Am 19. April wurde im Kleistmuseum Frankfurt (Oder) eine neue Studioausstellung
Goßmann illustriert Kleist. Michael Kohlhas eröffnete, die von Studenten des
Instituts für Kunstgeschichte der Universität Leipzig konzipiert wurde. Am 21.
April eröffnete die Fürstenwalder Kunstgalerie Fischmühle die Ausstellung Bilder
für Bücher. Dort sind bis zum 19. Oktober 2012 Originalzeichnungen und Aquarelle
aus Goßmanns Illustrationswerk zu sehen. Vom 4. November bis zum 31. Dezember
zeigt die Galerie Fischmühle außerdem unter dem Titel Ein ganz anderer Goßmann
Malerei und Collagen. Vom 16. August bis 31. Dezember 2012 findet im Rathaus
Fürstenwalde unter dem Titel Fantasie, Visionen, Freude eine weitere Ausstellung
mit Malerei Goßmanns statt. Im Gebäude der E.ON edis in Fürstenwalde wird vom
15. September bis 31. Dezember 2012 die Ausstellung Der Rumtreiber gezeigt, die
besonders Blätter mit Reiseimpressionen beinhaltet.
Am 1. November ist dann die offizielle Festveranstaltung der Stadt Fürstenwalde
zum 100. Geburtstag von Gerhard Goßmann, die den Höhepunkt der Aktivitäten im
Goßmann-Jahr bildet. Im Rahmen dieser Veranstaltung werden zwei
Wanderausstellungen präsentiert, die in den kommenden Jahren auf das
künstlerische Erbe von Goßmann aufmerksam machen werden: Gerhard Goßmann.
Grafiker, Maler, Zeichner, Illustrator und Goßmann und seine Zeit. Leben und
Schaffen von Gerhard Goßmann. Für Oktober hat auch der Galerist Karl Witzleben
in Petersdorf eine Ausstellung mit Goßmanns Werken aus Privatbesitz geplant.
Eine weitere Ausstellung in der Region wird vom 16. März bis zum 17. Juni 2013
im Kloster Chorin unter dem Titel Gerhard Goßmann zum 100. Geburtstag. Grafik
und Malerei im historischen Abthaus im Kloster Chorin stattfinden. – Alles in
allem, kann man konstatieren, ist dieser Veranstaltungs- und Ausstellungsreigen
eine gelungene Würdigung zum 100. Geburtstag des Fürstenwalder Künstlers Gerhard
Goßmann.
Ralf Parkner
100 Jahre Deutsche Nationalbibliothek – das Programm. Am 3. Oktober 1912
wurde auf Veranlassung des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler Leipzig die
Deutsche Bücherei gegründet. Nach der Teilung Deutschlands wurde in Frankfurt am
Main zusätzlich die Deutsche Bibliothek gegründet. Im Zuge der Wiedervereinigung
wurden beide Bibliotheken zusammengeführt. Zu der seit 2006 unter dem Namen
Deutsche Nationalbibliothek firmierenden Einrichtung gehören auch das Deutsche
Exilarchiv 1933-1945, das Deutsche Musikarchiv und das Deutsche Buch- und
Schriftmuseum. Mit 100 Veranstaltungen feiert die Bibliothek ihr Jubiläum. Den
Auftakt machte am 13. März die Eröffnung der neuen Dauerausstellung des Buch-
und Schriftmuseums Zeichen – Bücher – Netze. Von der Keilschrift zum Binärcode
nach seinem Umzug in den Erweiterungsbau. Weitere Veranstaltungen sind unter
anderem ein Festakt zum 100. Gründungsjubiläum, Tage der offenen Tür, Führungen,
Familiensonntage (etwa zum Thema Druckgraphik für Einsteiger), die feierliche
Übergabe der historischen Sammlungen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels
an die Deutsche Nationalbibliothek, ein Blick in die Sammlungen des Deutschen
Exilarchivs und des Deutschen Literaturarchivs Fremd bin ich den Menschen dort,
eine Ausstellung der Deutschen Nationalbibliothek in Kooperation mit der
Goethe-Universität Frankfurt am Main Für Burgel Zeeh, das Glück des Hauses, eine
Tresorausstellung zum Jubiläum des Leipziger Thomanerchores, zwei große
Jubiläumskonzerte mit Xavier Naidoo und Quartett sowie Clueso & Band. Zum
Jubiläum werden eine Gedenkmünze und eine Sonderbriefmarke herausgegeben.
Weitere Informationen über das Jubiläum und ein Veranstaltungskalender finden
sich unter www.dnb.de/100jahre und in den vier Ausgaben des Jubiläumsmagazins
HUNDERT. – Weitere Berichte folgen in den nächsten Heften der MARGINALIEN.
Dieter Schmidmaier
Zum 100. Geburtstag von Rudolf Hagelstange. Anläßlich seines 100.
Geburtstages am 14. Januar 2012 würdigte die Stadt Nordhausen am Harz ihren
Sohn, den Dichter und Schriftsteller Rudolf Hagelstange, mit festlichen
Ehrungen, die dem heute weithin „Vergessenen“ auch überregionale Aufmerksamkeit
zuteil werden ließen. Rudolf Hagelstange war in den Nachkriegsjahren in der
Bundesrepublik mit seinem Zyklus Venezianisches Credo, 34 klassischen Sonetten,
einer der erfolgreichsten Lyriker. 1963 erreichte das Werk in der Insel-Bücherei
das 50. Tausend. Der Dichter wurde aber auch mit Romanen, Erzählungen,
Feuilletons, Herausgaben und Übersetzungen, mit zahlreichen Vor- und Nachworten
zu Werkausgaben bekannt.
1946 war Hagelstange von Nordhausen nach Henner/Westfalen übergesiedelt, später
an den Bodensee, lebte im Elsaß und im Odenwald. Hagelstange wurde Mitglied der
Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt und der Bayerischen
Akademie der Schönen Künste in München. Er unternahm Reisen in alle Welt,
erhielt bedeutende Preise, blieb aber auch seiner Vaterstadt bis zum Tode
verbunden. Als er am 5. August 1984 in Hanau starb, hielt ihm der Freund
Heinrich Böll, mit dem er 1962 eine Rußlandreise unternommen hatte, eine
Grabrede. In der DDR erfuhr Rudolf Hagelstange kaum Wertschätzung.
Die Stadt Nordhausen nun ehrte den Dichter mit einer großen Ausstellung Rudolf
Hagelstange – Kunst und Literatur im Kunsthaus Meyenburg. Zu der Eröffnung waren
auch vier der fünf Kinder Hagelstanges angereist. Die Ausstellung zeigte weit
über 100 Arbeiten von Künstlern, die Hagelstange sehr schätzte und die Werke von
ihm illustriert hatten, darunter HAP Grieshaber, Frans Masereel, Käthe Kollwitz,
Hansen-Bahia, Eduard Prüssen. Mitinitiatorin und Kuratorin der Ausstellung war
Heidelore Kneffel. Ihr vor allem zu danken ist auch das entdeckungsreiche
Lesebuch Rudolf Hagelstange. Der Dichter und Schriftsteller aus Nordhausen am
Harz (ISBN 978-3-9812078-9-7). Der Band gestattet eine Lesereise durch
Hagelstanges Lebenswerk, durch Formen- und Themenvielfalt, bietet Informationen
zu Künstlerfreundschaften, Erinnerungen von Freunden, Dokumente zu Wirken und
Beziehungen Hagelstanges in Nordhausen und erhellt mit klug ausgewählten Texten
die antifaschistisch-humanistische Grundhaltung des Dichters, die mitnichten zu
„hohlem Pathos“ neigte. Das „Lesebuch“, das mit einer ausführlichen Biographie
und einer umfangreichen Auswahl-Bibliographie versehen ist, empfiehlt sich als
überfälliges aktuelles Nachschlagewerk zu Rudolf Hagelstange. – Schließlich
wurde aus gegebenem Anlaß am Geburtshaus des Dichters in der Oskar-Cohn-Straße 4
eine Gedenktafel angebracht.
U. Lang
Nachlaß Gerhart Hauptmann. Der Briefnachlaß des Schriftstellers Gerhart
Hauptmann (1862-1946), der sich seit 1968/1970 in der Staatsbibliothek
Preußischer Kulturbesitz Berlin befindet, wird mit Unterstützung der Deutschen
Forschungsgemeinschaft digitalisiert. Mit den über 81 000 Briefen ist Hauptmanns
Nachlaß einer der größten Nachlässe der deutschen Literaturgeschichte überhaupt.
Daneben befinden sich weitere Briefe in Bibliotheken und Archiven sowie in
Privatbesitz. Die gescannten Briefe werden in der Datenbank Kalliope, dem
deutschen Verbundkatalog für Nachlässe und Autographen, mit Angaben zu
Verfasser, Adressat, Entstehungsort und -datum und ergänzt um verschiedene
Indexierungsmöglichkeiten und Regesten online verzeichnet und damit zugänglich
gemacht. Die Pirckheimer-Gesellschaft und die MARGINALIEN haben sich mehrfach
mit Hauptmann beschäftigt. So referierte Eev Overgaauw über den Nachlaß in der
Berliner Staatsbibliothek (H. 188, 2007, S. 93-94), Joachim Krüger, Erik Hühns
und Alfred Dreifuss berichteten über Hauptmanns Bibliothek im Märkischen Museum
Berlin (H. 4, 1959, S. 16-23; H. 7, 1960, S. 25-26; H. 37, 1970, S. 48-54).
Dieter Schmidmaier
Akademie und Universität Altdorf. Die 1575 als Akademie eingeweihte und
1622 zur Universität erhobene Academia Norica in Altdorf, die
Hochschuleinrichtung der Reichsstadt Nürnberg, wurde 1809 Teil des großen
Universitätssterbens, im Zuge dessen fast die Hälfte aller Hochschulen des Alten
Reiches aufgehoben oder mit anderen Einrichtungen zusammengelegt wurde. Ein Jahr
später wurde die Academia Julia, die Universität Helmstedt, geschlossen, deren
Würdigung durch die Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel hier vorgestellt wurde
(MARGINALIEN, H. 199, 2010, S. 95-96). Beide gehören heute zu den weithin
unbekannten Universitäten, waren aber in den knapp 240 Jahren ihres Bestehens
bedeutende Hochschulen des Reiches. Die an beiden Einrichtungen betriebene Lehre
und Forschung ist auch für Bücherfreunde von großem Interesse. Das Jubiläum der
Aufhebung der Altdorfer Universität war 2009 Anlaß für eine interdisziplinäre
Tagung der Universität Erlangen-Nürnberg, deren Ergebnisse jetzt in einem
Sammelband vorliegen: Akademie und Universität Altdorf. Studien zur
Hochschulgeschichte Nürnbergs. Hrsg. v. Hanns Christof Brennecke, Dirk Niefanger
u. Werner Wilhelm Schnabel. Köln, Weimar, Wien: Böhlau, 2011. VI, 463S., Pp. 8°.
(= Beihefte zum Archiv für Kulturgeschichte 69.) 49,90 Euro. ISBN
978-3-412-20640-6. Er dokumentiert das akademische Leben der Universität, das
kulturelle Umfeld der Region sowie die Rolle der Universität im Kontext der
deutschen und europäischen Wissenschafts- und Hochschulgeschichte. Neben einer
Gesamteinschätzung werden aus unterschiedlichen Perspektiven der verschiedenen
Wissenschaftsdisziplinen die Erfolge einzelner Gebiete wie der Philosophie,
Jurisprudenz, Politikwissenschaft, Orientalistik („im 17. Jahrhundert zu einer
Blüte gebracht zu haben bleibt ein Ruhmestitel der Alma Mater“, S. 339),
Musikwissenschaft („die akademischen Werke der Polyhistoren und diese
Musiktheateraufführungen geben uns einen Hinwies darauf, auf welchem Niveau auch
in Altdorf mit Musik und Theater umgegangen werden konnte“. S. 361) und Medizin
vorgestellt und bewertet. Erwähnenswert ist auch der großartige Überblick über
die literarischen Gruppenbildungen wie die Ceres-Gesellschaft, die
Deutschliebende Gesellschaft, die Deutsche Gesellschaft in Altdorf, die
Lateinische Gesellschaft und verschiedene Tischgesellschaften.
Die wenig bekannte und oft verkannte Rolle der Altdorfer Universität gehört mit
diesem Sammelband der Vergangenheit an, denn den Autoren ist es sehr gut
gelungen, die weit über die Grenzen Deutschlands hinaus wirkenden Verdienste der
Altdorfer Universität zu vermitteln. Leider wird auf die Buch- und
Bibliothekswissenschaft und die Institution Bibliothek sowie ihre berühmten
Bibliothekare nicht eingegangen. Dazu gehören beispielsweise der Professor der
Theologie Georg König (1590-1654) mit seiner viel beachteten Rede über den
Nutzen der Bibliotheken und die gemeinsam mit dem Rektor Theodor Hakspan
initiierte Schenkung einer kompletten orientalischen Typographie von Johann
Jobst Schmidmaier von Schwarzenbruck (S. 334), der Professor der Logik und
Politik Johann David Köhler (1684-1755) als Begründer der Numismatik und
Verfasser einer glänzenden Anweisung zur Reiseklugheit (vgl. MARGINALIEN, H.
128, 1992, S. 93-101) sowie der berühmteste Hochschullehrer der Universität, der
Professor der Geschichte Georg Andreas Will (1727-1798) mit seinem interessanten
Entwurf einer vollständigen Literar-Geschichte und seinen bibliothekskundlichen
Vorlesungen. Auf das Stammbuch des Nürnberger Edelsteinschneiders Johann
Christoph Dorsch (1676-1732) und die Widerspiegelung von Angehörigen der
Universität Altdorf hat Hans Henning in den MARGINALIEN (H. 104, 1986, S. 34-46)
hingewiesen.
Dieter Schmidmaier
Druckfehlerteufel – graphisch und typographisch. Seit der Erfindung der
Druckkunst gibt es auch jenen berüchtigten Teufel, der gern Fehler in ansonsten
makellose Drucke streut. Auch in den Zeiten des digitalen Setzens bleibt dieser
Ungeist aktiv. Welcher Setzer, Drucker und Buchliebhaber wüßte davon nicht ein
Lied zu singen, ein mißtönendes natürlich. Jenem Unhold setzt nun Artur
Dieckhoff mit seinem neuesten Druck unter dem Titel DruckFehlerTeufel ein
„Denkmal“. In seiner Posse berichtet Dieckhoff über ein Erlebnis, das dem
Schweizerdegen Artur einst beim Setzen eines Gedichtes zustieß. Die Werkstatt
stank plötzlich arg nach Schwefel, und ein leibhaftiger Teufel stand neben dem
Setzer. Und nun entstand ein Wortgefecht, welches sogar in einem Gerangel
endete. Der wackere Jünger der Schwarzen Kunst ließ sich allerdings nicht
unterkriegen.
Auf je einem Transparentblatt druckte Dieckhoff eine frei nach Edgar Firn
verfaßte Ode an den Druckfehlerteufel (weiblich) und den Tagesablauf eines
„Schweizerdegens“ frei nach Eric Satie. Neben einem doppelseitigen und einem
ganzseitigen dreifarbigen Holzschnitt ist auch der rote Umschlagkarton mit einem
„teuflisch“ guten Originalholzschnitt versehen. Eine weitere Seite enthält,
eingebettet in einen sinnigen Text und in verschiedenen Schriftgrößen, Beispiele
für typische Druckfehler. In einem dreiseitigen Anhang sind in launigen Worten
die wesentlichen Fehler beschrieben. Der Druck erfolgte auf zwölf weißen, roten
und transparenten festen Papieren. Die Holzschnitte wurden im Museum der Arbeit,
Hamburg, von den Druckstöcken auf einem Heidelberger Zylinder gedruckt. Das
Kunstwerk, eine überarbeitete 2. Auflage, erscheint in der Edition Die
Holzschnittbücher bei Schwarze Kunst, Büchten (32 x 23,5 cm, ISBN 3-927840-31-9,
Euro 24, zzgl. Porto), und ist zu beziehen über www.shop-klaus-raasch.de, auf
Wunsch auch signiert.
Ferdinand Puhe
Das Buch und die vier Ecken der Welt. Thomas Rainer spannt in seiner
Dissertation den Bogen von der ikonographischen Analyse der Gammadiae, jener
winkelförmigen Motive in den vier Ecken der Buchdeckel, die die langobardische
Königin Theodelinda (um 570 bis 627) um 600 an die Basilika San Giovanni in
Monza stiftete, bis zu der von Dominique Perrault entworfenen Architektur der
von 1989 bis 1995 errichteten Bibliothèque nationale de France in Paris, die
durch vier als rechte Winkel konzipierte gläserne Türme, die sich über den Ecken
einer großen Holzplattform erheben, besticht: Thomas Rainer: Das Buch und die
vier Ecken der Welt. Von der Hülle der Thorarolle zum Deckel des
Evangeliencodex. Wiesbaden: Reichert, 2011. 302 S. XLIX Taf. (= Spätantike –
Frühes Christentum – Byzanz. Kunst im ersten Jahrtausend. Reihe B: Studien und
Perspektiven 27) Pp. 4°. 98,00 Euro. ISBN 978-3-89550-709-5. Ausgangspunkt für
die Gammadiae waren auf byzantinischen Gewändern und griechischen Meßgewändern
angebrachte Verzierungen, die dem griechischen Großbuchstaben Gamma (Γ)
ähnelten. Es wurden immer vier Gamma-Buchstaben symmetrisch dargestellt. Erst
später wurden auch Bücherecken mit Gamma geschmückt und als Gammadium oder
Gammadia bezeichnet. Der Ausdruck ist heute in Fremd- und Fachwörterbüchern sehr
selten zu finden.
Thomas Rainer geht es um „das symbiotische Verhältnis von Schriftseiten und
Deckel“ als „Sonderfall der komplizierten Beziehung von Wort und Bild“. Und:
„Der Buchdeckel als ikonographisches Medium zur Vermittlung des Buchinhalts
wurde in den älteren Standardwerken zur Entwicklung des spätantiken und
mittelalterlichen Dekors kaum je in den Blick genommen“ (S. 10). Im Mittelpunkt
steht die Rekonstruktion des Prozesses, der in der frühchristlichen Kunst den
Buchdeckel zum Spiegel des Buchinhaltes werden läßt und den Vierevangeliencodex
als ein Abbild der Welt, inszeniert am Beispiel des eingangs erwähnten Codex.
Der erste Teil dient der Bestimmung der Winkel auf den Buchdeckeln dieses Codex
und der Bedeutungsgeschichte des Motivs in der vorchristlich römischen und
ägyptischen Kunst und in der spätantiken Textilkunst und der christlichen
Deutung der Gammadiae. Der zweite Teil beinhaltet Aspekte der theologischen
Apologie der heiligen Schriften in Judentum und Christentum, der Verwahrung der
heiligen Schriften im Judentum und des Verhältnisses von jüdischer und
christlicher Schriftverwahrung in Antike und Spätantike. Der abschließende
dritte Teil ist hauptsächlich dem Bild des Codex in der christlichen Kunst
gewidmet, umfaßt aber auch Gedanken zum Türpaneel als Abbild der Welt und als
Spiegel des christlichen Vierevangeliencodex und einen Epilog zur
Architekturikonographie der Bibliothèque nationale de France. 1400 Fußnoten
begleiten den Text! Der Band wird abgeschlossen mit einem Anhang mit
verschiedenen Verzeichnissen, darunter einem 24 Seiten umfassenden
Literaturverzeichnis mit über 600 Titeln und einem umfangreicher Tafelteil.
Druck und Reproduktionen sind vorzüglich. Eine großartige Arbeit. Faszinierend
auch für uns Bücherfreunde ist, daß und wie der Autor eine Brücke vom
spätantiken Buchdeckel und vom Mantel der Thorarolle zur Architektur der neuen
französischen Nationalbibliothek schlägt: „das mittelalterliche Weiterleben der
Bibliothek als Scrinium oder Capsa des kultisch verehrten Buches“ (S. 217). Die
vorliegende Untersuchung ist ein wichtiger Beitrag über die „Lesbarkeit der
Welt“ im Sinne der gleichnamigen Veröffentlichungen von Hans Blumenberg (1979)
und Uwe Timm (2009).
Dieter Schmidmaier
Die Bilderwelt der Jutta Mirtschin. Ein zartes Figürchen, die kleine
Seiltänzerin, in durchsichtigem Gewand hoch droben ungesichert und einsam
balancierend, aus wolkiger Schwärze in festlich rotes Licht gerückt – mit dieser
traumhaften Szenerie auf dem Schutzumschlag lädt der Bautzener Lusatia Verlag
gleichsam aus dem Stand zur Betrachtung eines noblen Bildbandes ein: Jutta
Mirtschin. Eine Welt gemalt (Bautzen: Lusatia Verlag, 2010. 224 S., 49,80 Euro.
ISBN 978-3-936758-65-8). Das Motiv ist nicht nur wunderschön, es fand bereits
1982 für das Plattencover Lieder aus dem Kinderland von Gerhard Schöne
Verwendung, und es ist wohl auch sinnbildlich gewählt, zumal es sich in dem
hinreißenden theatralischen Balanceakt einer schmucken Tanzmaus auf dem
Frontispiz wiederfindet und auch in dessen Vorzeichnung auf der Titelseite. Das
Künstlertum als Balanceakt zwischen Versuch und Gelingen, zwischen Einsamkeit
und Öffentlichkeit, zwischen schöner Leichtigkeit und Mühsal, den Abgrund vor
Augen …
Wie auch immer, die opulente Bildmonographie, von der Künstlerin selbst
mitgestaltet, bilanziert ein reiches Lebenswerk, das neben der Buchillustration
(vgl. dazu Alice Hartmann: Jutta Mirtschin als Illustratorin; in: MARGINALIEN,
H. 2, 2002) auch eine beeindruckende Plakatkunst vorwiegend für das piccolo
Theater Cottbus umfaßt und auch Malereien und Graphik. Wohl bedacht sind Auswahl
und Gestaltung auf die einzigartige malerische Bilderwelt in ihrem magischen
Zauber abgestimmt, auf deren Vielfalt und Reichtum, auf den schier
unerschöpflichen faszinierenden Figurenfundus, Textbezüge sind gewollt
ausgespart. Selbst auf den Seitenrändern tummeln sich in reicher Fülle und
Farbigkeit Vignetten, Ideen, Skizzen, Entwürfe – augenfällige kleine
„Kommentare“ zu den Bildseiten, Neckereien auch und Schmuckstücklein. Auf den
Bildseiten, die Buchtiteln orientierend zugeordnet sind, ergeben sich durch die
eigenwillige Neuordnung der Abbildungen in diesem Band ganz verblüffende neue
Backgrounds, neue Erzählfäden und -zusammenhänge, die der Betrachter erstaunt
wahrnimmt und auch vergnüglich aufnimmt, wenn etwa das jeweils dazugehörige
illustrierte Buch in seinem „gültigen“ Text-Bild-Bezug zum Vergleich dienen
kann. So erzählen die Bilder allein doch Geschichten, eben ihre ganz eigenen,
neuen …
Die Figuren der Jutta Mirtschin, beseelte Persönchen und Phantasiewesen, wie sie
Texte allein kaum angeregt haben können, agieren in stimmungsvoller Natur und in
der verfremdeten Vertrautheit kindlicher Lebens- und Vorstellungsräume.
Irgendwie sind sie alle Kinder und Kinder geblieben, diese Mirtschin-Wesen, im
edelsten Sinne ihres So-Seins. Mit lebhaften Kuller- und Knopfaugen, in
kindlichen Posen und Verkleidungen, schwebend, schwimmend, fliegend, tanzend, in
den sonderbarsten Situationen und Beziehungen. Spazierend, sinnierend, träumend,
spielend, staunend agieren sie in einer freundlichen Wunderwelt: liebenswerte
Geschöpfe wie Tüftelchen, Waldkauz Hadubrand, Katzenkönig, Floflo, Cipi,
Serafina Siebenschön, Flip und Hagelheiner, Frösche, Katzen, Großväter und
Großmütter, Blumen und Vögel – eine Wunderwelt, in der es sich leben läßt.
Carola Pohlmann führt einfühlsam in die Bilderwelt der Künstlerin ein,
beleuchtet Qualitäten und Vielfalt des Werkes und markiert den künstlerischen
Durchbruch Jutta Mirtschins als Bilderbuchillustratorin mit dem Band Auf dem
Hügel ist was los (1978), seither ist das „spannungsreiche Verhältnis des
Menschen zur Natur“ das unerschöpfliche Thema der Künstlerin geworden und
geblieben. Im Anhang finden sich ein umfangreiches Werkverzeichnis, das alle
Facetten der künstlerischen Arbeit einbezieht, eine Kurzbiographie, eine
Bibliographie, ein Ausstellungsverzeichnis sowie Besitzervermerke. – Dieser
schöne Bildband sei allen Bücherfreunden ans Herz gelegt, wenn auch die Schrift
der Texte und Anmerkungen den Augen nicht nur schmeichelt, sie ist sehr klein
geraten.
Ursula Lang
Neue schöne Kinderbücher. Der 2009 von dem Arzt und Unternehmer Andreas
Gerber gegründete aracari Verlag überrascht immer wieder mit gut gestalteten
Kinderbüchern, die auch Erwachsene anzusprechen vermögen. Da ist zunächst das
vielfarbige Heute bin ich der holländischen Künstlerin Mies van Hout. Es zeigt
auf einer Seite einen jeweils anderen Fisch, in Ölpastellfarbe gemalt, und
gegenüberstehend einen emotionalen Begriff wie neugierig, nervös oder verliebt,
insgesamt zwanzig Fische. Die Haltung, die Farbe, das Aussehen des Fisches
lassen seine Stimmung, sein Gefühl auch optisch erfahren, manchmal eine heftige,
ein anderes Mal eine ganz zarte Empfindung. Die 1962 geborene Künstlerin
studierte an der Kunstakademie Groningen Grafikdesign und arbeitet seit 1989 als
freischaffende Illustratorin, die bereits viele Kinderbücher gestaltet hat. Das
Buch, fast wie ein Künstlerbuch anmutend, ist für die Gruppenarbeit mit
Vorschulkindern bestens geeignet (42 Seiten, 21,5 x 26,5 cm, ISBN 3-905945-30-0,
Euro 13,90).
Im gleichen Verlag erschien Mias Traumbär mit dem Text des Koreaners Beong-gi
Bae und den Pastellen von Seung-min Oh. Die Erzählung handelt von einem Mädchen,
das am Rande einer Großstadt in einer kleinen dunklen Wohnung lebt. Das Kind
besitzt nur ein Bilderbuch, das von einem großen Eisbären handelt. Eines Tages
erfüllen sich ihre Träume, und der große Eisbär steht plötzlich neben ihr. Eine
anrührende Geschichte beginnt. Der Autor unterrichtet nach einem
Literaturstudium nun kreatives Schreiben an der Universität Gwangju. Er hat
bereits erfolgreich mehrere Kinderbücher verfaßt. Die Künstlerin Seung-min Oh,
ebenfalls in Korea lebend, studierte orientalische Malerei an der Sejong
Universität und spezialisierte sich auf die Illustration von Kinderbüchern. Sie
berichtet, es sei ihre größte Leidenschaft, alte Geschichten in ein neues Gewand
zu hüllen. Die starkfarbigen Illustrationen dieses Bändchens sind denn auch
empfindsame Untermalungen des Geschehens (34 Seiten, 27 x 23 cm, ISBN
3-905945-05-8, Euro 13,90).
Von ganz anderer Art ist Lilli kleckst, ein Museumsbuch für Kinder über Klecksen
und Kunst. Mit großem Einfallsreichtum erzählen Claudia Ehgartner (Text) und
Elise Mougin (Bilder) von Lillis Kampf mit dem Pinsel und dem störenden Kater.
Sie malt das, was sie schon einmal in ähnlicher Darstellung im Museum gesehen
hat. Ihren Vater bewegt sie dann zu einem Museumsbesuch, um ihm zu zeigen, daß
es auch dort viele geschüttete, gekleckste, bedruckte und besprühte Bilder gibt.
Mit seinen einprägsamen Bildern ermuntert das Buch Kinder dazu, kreativ ihren
Einfällen freien Lauf zu lassen. Kinder und Erwachsene werden von den beiden
Buchgestalterinnen aufgerufen, Kunst mit eigenen Augen zu entdecken und ein
eigenständiges Kunstverständnis zu entwickeln. Die beiden Frauen leben und
arbeiten in Wien, Ehgartner (Jahrgang 1968) als Publizistin und Lehrerin für
Kunst und Kunstvermittlung, Mougin (1977 in Paris geboren) als Grafikdesignerin
im Kunstbereich. Das Buch ist bei Nilpferd in Residenz, St. Pölten erschienen
(48 Seiten, 16,5 x 24,0 cm, ISBN 3-701720-88-0, Euro 13,90).
In dem Buch Die beste Bande der Welt erzählt Saskia Hula von einer Kinderbande
und einem Jungen, der nicht dazu gehört. Aber Oskar weiß sich zu helfen. Er
gründet für sich allein eine Geheimbande mit Geheimplatz, Geheimbaumhaus und
einer Geheimparole. So viele Geheimnisse wirken anziehend. Die witzige und
psychologisch einfühlsame Erzählung wird begleitet von begleitenden und
vertiefenden Farbillustrationen von Ina Hattenhauer (24 x 16,5 cm, Nilpferd in
Residenz, ISBN 978-3-7017-2107-8, 14,90 Euro). Aus dem gleichen österreichischen
Verlag stammt Die schöne Meerjungfrau, ein Märchen von Helga Bansch über eine
ungewöhnliche Liebe im nassen Milieu. Das großzügig gestaltete Buch in
leuchtenden Farben, gestaltet von der Erzählerin, übt einen faszinierenden
Zauber aus, ein wahres Fest für Fans von Bilderbüchern (28,5 x 21 cm, ISBN
978-3- 7017-2106-1, 14,90 Euro).
Atlantis im Orell Füssli Verlag erfreut mit mehreren neuen Kinderbüchern, unter
denen drei schöne Exemplare besonders auffallen. In Riesen sind nur halb so groß
von David Harrison (Text) und Philippe Fix (Bilder) geht es um die Begegnung
eines Jungen mit Riesen, denen er ein für seine Mutter bestimmtes Geheimnis
verraten soll. Die Preisgabe des Geheimnisses stürzt die Riesen in große
Verwirrung. Die flüssig erzählte Geschichte wird durch detaillierte farbige
Darstellungen vertieft (26 x 21,5 cm, ISBN 978-3-7152-0630-1, 14,95 Euro).
Leo, Dünen, Sand und mehr entführt in die Ferienwelt und berichtet über eine
Schatzsuche. Leo, der kleine Sammler, hortet viele am Wegesrand gefundene
Schätze und verbuddelt sie dann im Sand. Die von Lorenz Pauli lebendig erzählte
und von Suse Schweizer anschaulich bebilderte Feriengeschichte besticht durch
ihre witzigen Dialoge (27 x 20,5 cm, ISBN 978-3-7152-0628-8, 14,95 Euro). – In
Oscars Autos geht es um einen Auto-Fan, der wie die meisten Kinder davon träumt,
als Fachmann diverse LKW zu steuern. Dabei geht es immer um Notfälle, in denen
Oscar als versierter Helfer gefragt ist. Die von Carl Johan De Geer spannend
erzählte Geschichte wurde von Jan Lööf mit farbigen Wimmelbildern kindgerecht
illustriert. Kleine Jungen – und nicht nur die – werden begeistert sein (29,5 x
22 cm, ISBN 978-3-7152-0626-4, 14,95 Euro).
Ferdinand Puhe
Literaturcomics. Viele Klassiker der Weltliteratur wie Goethes Faust,
Kafkas Die Verwandlung und Schnitzlers Fräulein Else haben Umsetzungen in den
Comic erfahren. Es existiert inzwischen ein eigener Kanon der Literaturcomics,
und kein Buch ist mehr sicher vor der Verwandlung in einen Comic. Schon 1994
sprach unser Mitglied Michael F. Scholz anläßlich eines mit Gerd Lettkemann im
gleichen Jahr veröffentlichten Buches über Comics in der DDR zum Thema Comics –
eine neue historische Quelle? (MARGINALIEN, H. 137, 1995, S. 86) und wies damit
auch auf ein interessantes Sammelobjekt hin. Nun legt die Professorin für
Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ruhr-Universität
Bochum Monika Schmitz-Emans eine umfassende Untersuchung vor: Monika
Schmitz-Emans: Literatur-Comics. Adaptionen und Transformationen der
Weltliteratur. In Zusammenarbeit mit Christian A. Bachmann. Berlin, Boston:
Walter de Gruyter, 2012. 433 S. (= linguae & litterae 10.) Pp. 99,95 Euro. ISBN
978-3-11-026528-6. Literaturcomic ist für die Autorin ein Arbeitsbegriff. Davon
soll „dann die Rede sein, wenn sich ein Comic auf einen literarischen Text (oder
mehrere) in einer Weise bezieht, die der Beziehung zwischen Hypertext und
Hypotext im Sinne Gérard Genettes analog ist“ (S. 12-13). Genette hat sich in
seinem Werk Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe mit der
Intertextualität beschäftigt. Der Literaturcomic ist eine literarische Adaption,
d.h. die Umarbeitung eines literarischen Werkes von einer Gattung in eine andere
wie Hörfunk, Film, Fernsehen und Computerspiel. Das Werk besteht aus drei
Teilen. Der erste Teil dient der Begriffsklärung im weitesten Sinne des Wortes
(Begriff und Spielformen des Literaturcomics, Comic als Kunst, Strategien der
Autoreflexion) und enthält auch eine kurze Geschichte des Comics. Der zweite
Teil behandelt den Comic im Spiegel anderer Darstellungsmedien und Künste wie
bildende Kunst, Erzählen, Theaterspielen und Film. Der dritte, zugleich
umfangreichste Teil Der Comic und die Weltliteratur enthält zahlreiche
Beispiele, zum Beispiel Adaptionen von Herman Melvilles Moby Dick, von Werken
Edgar Allan Poes, E. T. A. Hoffmanns und B. Travens und von Paul Austers City of
Glass. Monika Schmitz-Emans hat ein Standardwerk zum Literaturcomic geschaffen,
das eine wichtige Grundlage für die Comic- und die Intermedialitätsforschung und
für den Sammler von Comics eine unverzichtbare Hintergrund darstellt. Leider
haben die Veröffentlichungen von Gerd Lettkemann über Comics und die vorzügliche
Zusammenfassung von Maike Herrmann, Literatur in Comic-Adaptionen. Ein aktueller
Überblick (Diplomarbeit, Fachhochschule Stuttgart, 2002. 190 S.), keine
Würdigung erfahren.
Dieter Schmidmaier
Nach Redaktionsschluß
Jahrestagung der Deutschen Exlibris-Gesellschaft. Mit über 200
Teilnehmern und Gästen aus Amerika, China, Rußland und Europa, darunter 100
Mitgliedern der Gesellschaft, war die Tagung der Deutschen Exlibris-
Gesellschaft e.V. vom 3. bis 6. Mai 2012 in Grassau im Chiemgau sehr gut
besucht. Einen Höhepunkt bildete die Eröffnung der Ausstellung Große Kunst auf
kleinen Blättern in Traunstein im Kunstraum der ehemaligen
Kapuziner-Klosterkirche. Die Ausstellungsmacher Evelyn Dünstl-Walter und Manfred
Dünstl hatten Werke von 22 Exlibris-Künstlern aus dem bayerischen Raum
ausgewählt. Die Spannbreite reichte von Alphons Woelfle (1884-1951) und Willi
Geiger (1878-1971) über Otto Kuchenbauer (geb. 1922) bis Josef Werner (geb.
1945). In Vitrinen waren auch Leihgaben aus den Universitätsbibliotheken
Eichstädt-Ingolstadt und Salzburg zur Geschichte des Kapuziner-Klosters
Traunstein ausgelegt, die größtenteils mit Supralibros auf den Einbänden
versehen sind. Zu sehen war auch das Exlibris der Benediktinerinnen-Abtei
Frauenwörth im Chiemsee aus dem Jahre 1679, das in einem Exerzitienbuch des
Klosters Frauenwörth eingeklebt ist und bisher keinem Künstler zugeordnet werden
kann. Zur Ausstellung erschien ein Begleitheft (27 S., 15 x 21 cm) mit einer
kurzen Lebensbeschreibung der ausgestellten Künstler, das kostenlos abgegeben
wird. Die Ausstellung ist noch bis zum 27. Mai 2012 in Traunstein zu sehen.
Die Gesellschaft hat zur Zeit 397 Mitglieder, davon 95 im Ausland. Das Archiv
der Gesellschaft befindet sich seit zehn Jahren in der Stadtbibliothek
Mönchengladbach und umfaßt 200 laufende Buchmeter mit über 22 000 Exlibris. Da
Dr. Gernot Blum aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zur Verfügung stand,
wurde Klaus Thoms, bisher Vizepräsident, von der Mitgliederversammlung
einstimmig zum neuen Präsidenten gewählt. Heinz Decker, der bisherige Redakteur
des Jahrbuches, wurde Stellvertretender Präsident. Brigitte Göbel-Stiegler, die
Sekretärin der Gesellschaft, wurde in ihrem Amt bestätigt. Zum Redakteur des
Jahrbuchs wurde Dr. Henry Tauber bestimmt. Das Amt des Schatzmeisters übernahm
Christian Krätz. Dr. Ottmar Premstaller wurde auf Grund seiner Verdienste für
die Buch- und Exlibriskunst zum Ehrenmitglied ernannt. Der traditionelle Ausflug
führte die Teilnehmer mit dem Schiff von Prien aus zur Insel Herrenchiemsee, wo
das Schloß („Klein-Versailles“) König Ludwigs II. sowie das ehemalige
Augustiner-Chorherrenstift zu besichtigen waren. – Die 64.
Jahresmitgliederversammlung 2013 wird in Wurzbach/Thüringen stattfinden und von
Sabine Schemmrich, Schloß Burgk, organisiert werden.
Manfred Neureiter
Arno Mohr-Ausstellung in Erfurt. Vom 5. Mai bis zum 23. Juni 2012 zeigt
das Bilderhaus Krämerbrücke in Erfurt eine umfangreiche Ausstellung mit Werken
des Berliner Künstlers Arno Mohr (1910-2001). Die Lithographien, Radierungen,
Kohle-Zeichnungen und Acryl-Gemälde der 1950er bis 1990er Jahre bieten einen
guten Einblick in Mohrs Schaffen und eine ebensolche Gelegenheit, ihm neue
Freunde zu gewinnen. Neben mehreren Brecht-Porträts und einem Doppelporträt
Brecht-Eisler verdeutlichen Radierungen zu Brechts Mutter Courage und Galilei
sowie zu Gerhart Hauptmanns Ratten (Bühnenbildentwürfe für eine letztlich nicht
zu Stande gekommene Inszenierung aus dem Jahr 1986) Mohrs Interesse am Theater.
Frühe Arbeiten wie die Lithographien Junge mit Spielzeug (1950), Bärengehege
(1953) oder Beim Fotografen (1957) verraten die Freude am Detail und an der
Ausfüllung des Blattes, viele andere faszinieren durch Verknappung und
Konzentration: Mit wenigen, ebenso genau gesetzten wie freien Strichen wird ein
Raum, eine Landschaft, eine Situation entworfen, oft humorvoll wie in der
Radierung Frau mit Hund (1985), manchmal eher bitter, wie in einigen Blättern
der zahlreichen kleinformatigen Lebenslauf-Radierungen. Besonders berührend:
mehrere verschattete Selbstporträts und die späte Radierung Im Treppenhaus
(1995). Zur Ausstellung erschien ein Faltblatt mit informativem Text und acht,
teils farbigen Abbildungen, geöffnet ist sie Mittwoch-Freitag von 11-18 Uhr,
Samstag von 11-16 Uhr.
Thomas Reinecke
Xago wird 70. Anläßlich des runden Geburtstag finden zwei Ausstellungen
statt. Der Galerie-Laden „Kun(s)t-a-bunt“ am Kollwitzplatz lädt unter dem Titel
Im Grotesken ruht Romantik vom 14. Juli bis 19. September ein. Am 11. August
liest Xago dort auch aus seinen Künstlerbüchern. In der Burg Beeskow wird am 22.
September um 15 Uhr die Ausstellung Grillen, Engel und Grotesken (22. 9. – 20.
1. 2013) eröffnet. An beiden Orten werden in wechselnder Auswahl Malerei,
Graphik und Künstlerbücher zu sehen sein. Weitere Informationen finden sich
unter www.xago.net. |