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Redaktionsschluss 15. Januar 2012
Antiquaria-Preis für Buchkultur an Clemens-Tobias Lange. Der diesjährige
Antiquaria-Preis für Buchkultur wurde am 26. Januar im Rahmen der
Antiquariatsmesse Ludwigsburg an den Buchkünstler Clemens-Tobias Lange
verliehen. Der mit 6.500 Euro ausgestattete Preis für hervorragende Leistungen
auf dem Gebiet der Buchgestaltung wurde nunmehr zum 18. Mal einem namhaften
Gestalter zuerkannt. Der erste Preisträger war Prof. Albert Kapr im Jahre 1995.
Namhafte Preisträger waren u. a. Eckehart SchumacherGebler, Katharina
Wagenbach-Wolff, Josua Reichert und der Verlag Faber & Faber.
Clemens-Tobias Lange hat sich mit herausragenden Künstlerbüchern einen Namen in
Sammlerkreisen gemacht. Seine Buchkunstwerke zeichnen sich durch subtile
typographische Gestaltung, durch eine reiche und zugleich originelle und
sensible Materialität aus, der die sorgsame Auswahl hochwertiger alter wie auch
neuer Texte vorausging. So entstanden durch Verwendung vielfältiger grafischer
Techniken einerseits haptisch reizvolle Objekte und andererseits visuell
ausgewogene Kompositionen aus Bild und Schrift. Auch bildlose Textbände wurden
dank optimaler Typographie zu Kunstwerken. In jüngerer Zeit herrscht die
Fotografie als künstlerisches Medium immer mehr vor. Zu den Autoren, denen sich
Lange besonders verbunden fühlt, gehören Italo Calvino, Cesare Pavese, Fernando
Pessoa, Tschingis Aitmatov und Yoko Tawada. Die Bücher in kleinen Auflagen
(meist max. 125) und Künstlerbücher in geringer Stückzahl werden in der Binderei
Zwang, Hamburg, sorgfältig gebunden. Einige wurden unter die „Fünfzig schönsten
Bücher“ eines Jahres aufgenommen.
Clemens-Tobias Lange, 1960 in Berlin geboren, studierte Malerei bei Emilio
Vedova in Venedig, und arbeitete typographisch in den Druckereien von
SchumacherGebler, Kätelhön und Raamin-Presse. 1988 gründete er in Hamburg-Altona
mit dem Kauf einer ausrangierten Setzergasse die CTL-Presse, sein „Laboratorium
für Bücher“, wie er sie nennt. Besonders verbunden fühlt sich der Buchkünstler
dem italienischen Sprachraum. Weitere Informationen findet man unter
www.ctl-presse.de.
Ferdinand Puhe
Der 75. Geburtstag von Heidrun Hegewald am 21. Oktober 2011 gab Anlaß, in
ihrem gerade erschienenen Buch mit dem von Marivaux entliehenen Titel Ich bin,
was mir geschieht zu lesen, und die Lektüre fesselte. Bei diesem, vom Verlag
Neues Leben als Biographie bezeichneten Titel handelt es sich um eine Sammlung
publizistischer Arbeiten der Malerin aus den letzten 20 Jahren, wobei den Texten
schwarzweiße Abbildungen ihrer Werke beigefügt sind. Das Büchlein, 160 Seiten im
Oktavformat zum Preis von 9,95 Euro, wurde auf 120gr Offsetpapier im
Digitaldruck produziert und ist ordentlich in einem von Michael de Maizière
gestalteten festen Pappband gebunden. Man nimmt es gern in die Hand. Allerdings
setzt der an sich richtig vorangestellte Hinweis des Verlages: „Die Abbildung
der Arbeiten von Heidrun Hegewald … folgt keiner illustrativen Absicht.
Assoziation ist hoffentlich unvermeidlich", etwas voraus, was das Buch gar nicht
halten kann, denn die Bildchen, und das soll meine einzige Kritik an diesem
Bändchen sein, sind leider teilweise recht klein geraten und werden weder der
tatsächlichen Größe der Arbeiten noch dem geradezu philosophischen Gehalt der
Texte gerecht.
Die Texte der Heidrun Hegewald erklären mit dem scharfen Blick einer Rosa
Luxemburg die spätkapitalistische Wirklichkeit und beschreiben gleichzeitig mit
den Augen einer Malerin voller Poesie mecklenburgische Landschaften und
menschliches Miteinander. Ein gleichsam humanistisch analysierendes wie von
Farben und Formen inspiriertes Schauen. Die Notate und Reden zeigen nochmals
deutlich, daß sich Heidrun Hegewald neben ihrer Passion als Malerin auch als
Schriftstellerin profiliert hat, was vielen, ich gestehe auch mir, lange Zeit
verborgen geblieben ist. Diese Lücke schließt das Buch in beeindruckender Weise,
indem es teilhaben läßt am Werden einer Künstlerin, die mit dem Trauma des
Faschismus aus ihrer Kindheit in der DDR zur Künstlerin wurde und jetzt mit
wachem Blick den bundesdeutschen Osten und das Leben im marktwirtschaftlich
bestimmten Europa sieht und beschreibt. Ihre Texte verweisen auf die Perversion
der modernen Gesellschaft und auch auf daraus resultierende Verflachung der
deutschen Sprache und Alltagskultur. Und sie schreibt das konsequent, teilweise
bewußt Konventionen der Rechtschreibung aufbrechend, bis hin zu interessanten
Wortschöpfungen wie das von den Genießern des Choriner Musiksommers, die die
Musik aus mitgebrachten Proviantkörben umessen.
Genau darin liegt für mich der eigentliche Wert dieser Texte. Es ist nicht das
nähere Kennenlernen einer Künstlerin, die mit ihrem Schaffen einen wesentlichen
Beitrag zur bildenden Kunst der DDR geleistet hat und auch nicht die Entdeckung
der Schriftstellerin Hegewald. Es ist der allen Texten immanente, immer wieder
brillant formulierte Aufruf, sich nicht in die bürgerliche Bequemlichkeiten
eines Vernunft, Menschlichkeit und wirkliche Kunst vergessenen,
mediengesteuerten Konsumenten zu ergeben, sondern stets zu schauen, genau
hinzuschauen, zu überdenken und ebenso ästhetisch zu genießen, der das Buch für
jeden kulturell Interessierten bedeutsam macht.
Abel Doering
Lichtspiel und Farbenpracht. Unter diesem Titel fand vom 11. März bis 28.
August 2011 in der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel eine Ausstellung statt,
die in einem Begleitband fortleben und nicht nur Bücherfreunden Freude bereiten
wird, sondern als Dokumentation auch eine sehr gute Grundlage für die Aus- und
Fortbildung in der Buch-, Bibliotheks- und Medienwissenschaft darstellt: Melanie
Grimm, Claudia Kleine-Tebbe und Ad Stijman: Lichtspiel und Farbenpracht.
Entwicklungen des Farbdrucks 1500–1800. Aus den Beständen der Herzog August
Bibliothek. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag in Kommission, 2011. 108 S. Pp. 8°.
(= Wolfenbütteler Hefte 29). Euro 14,80. ISBN 978-3-447-06457-6. Es ist eine
thematische geordnete Wanderung durch die Jahrhunderte vom 15. bis zum Beginn
des 19. Jahrhunderts in 37 Exponaten einschließlich akkurater Beschreibungen und
einer umfangreichen Einführung Zur Geschichte des Farbdrucks vom Mittelalter bis
um 1800 nebst Glossar von Ad Stijman. Stijman beschreibt die Entwicklungen bis
1800, die einzelnen Techniken sowie Leben und Werk der Pioniere des Farbdrucks
wie Erhard Ratdolt, Hans Burgkmair, Johannes Teyler und Jacques-Christoph Le
Blon. Die Herstellung und Verbreitung von Farbdrucken in der Frühen Neuzeit ist
bisher nur wenig erforscht, deshalb sind Ausstellung und Begleitband eine
bemerkenswerte Seltenheit. Dem Betrachter bietet sich ein breites Spektrum an
Beispielen vom Buchschmuck und den Titelseiten über Porträts, wie das Bildnis
der Jeanne d`Arc von Antoine-François Sergent aus dem Verlag Pierre Blin 1787 (Crayonmanier),
Darstellungen aus der Astronomie und der Anatomie, wie die Lymphgefäße in der
Leber aus einem Werk über das Lymphsystem des Menschen von Gaspare Aselli 1627 (Clairobscur-Holzschnitt),
bis hin zu Goldschmiedevorlagen und Kunstreproduktionen, wie Gawril
Scorodoomoffs Reproduktion des Gemäldes Susanna im Bade von Guido Reni
(1775-1792, Punktiermanier, à la poupée-Druck). Ein Vorwort von Helwig
Schmidt-Glintzer führt in die Thematik ein, er bezeichnet die Ausstellung
zurecht als einen Beitrag zur „weiteren Erforschung der mittelalterlichen und
frühzeitlichen Bildkultur“ (S. 8) und hofft in Vorbereitung der Feiern zum 500.
Jubiläum des Wittenberger Thesenanschlags von 1517 auf weitere Studien. Der
Rezensent auch.
Dieter Schmidmaier
Kinderwelten – Große Bücherschau in Offenbach. Zum 56. Mal zeigte das
Klingspor-Museum Kinderbücher aus aller Welt (bis zum 12. Februar). Dr. Stefan
Soltek und sein Team haben etwa 600 besonders gelungene Exemplare dieser Spezies
zusammengetragen. Manch eines dieser Bücher erfüllt höchste Ansprüche in
typgraphischer und künstlerischer Hinsicht. So sind auch Exemplare vertreten,
die wir im vergangenen Jahr in den MARGINALIEN vorgestellt haben. Im großen
Ausstellungssaal zeigen 51 Verlage, darunter 18 aus dem Ausland, ihre
Neuerscheinungen. Ein Verlag aus Teheran hat zur 56. Kinderbuchschau eben diese
Zahl an Titeln ausgelegt. Die Schau im Kabinett steht unter dem Titel Bücher
ohne Wörter. Die Objekte stammen aus den historischen Museumsbeständen.
Holzschnitt-Bücher von Frans Masereel sind zu bewundern. Gerade er war ja ein
Meister der Geschichten ohne Worte. Hier findet man auch Werke von Gunter
Böhmer, Peter Angermann, Warja Lavater, Kveta Pacovská und Katsumi Komagata. Die
gesamte Ausstellung zeigt wieder den ganzen Reichtum an Gestaltungsmöglichkeiten
in diesem sensiblen Buchsegment.
FP
Eduard Prüssen über die Schulter geblickt. Der bekannte Kölner
Buchkünstler und Graphiker Eduard Prüssen hat der Universitäts- und
Stadtbibliothek Köln im Jahr 2010 einen großen Teil seines künstlerischen Werkes
als Vorlaß übergeben. Die Erschließung und Beschreibung der Sammlung erfolgt in
einem eigenen Sammlungsportal (http://pruessen.ub.uni-koeln.de). In diesem Jahr
wurde zusätzlich der Hauptband des Werkverzeichnisses Die Sammlung Eduard
Prüssen in der Universitäts- und Stadtbibliothek Köln. Buch- und
Presse-Illustrationen veröffentlicht. Aus diesem Anlaß hat die Bibliothek die
Ausstellung Eduard Prüssen über die Schulter geblickt. Eine kleine Werkschau
(11. 11. 2011 - 31. 1. 2012) gezeigt. Erstmalig wurden Skizzen und Entwürfe
ausgestellt, die den Entstehungsprozeß der Kunstwerke aufzeigen. Eduard Prüssen
über die Schulter geblickt ist als Wanderausstellung konzipiert und soll auch in
anderen Häusern ausgestellt werden. Einzelne Exponate werden vom 14. 1. 2012 bis
zum 18. 3. 2012 in der Ausstellung Rudolf Hagelstange Literatur & Kunst im
Kunsthaus Meyenburg in Nordhausen gezeigt. Im Frankfurter Goethe-Haus / Freies
Deutsches Hochstift findet vom 24. 4. 2012 bis zum 15. 7. 2012 die Ausstellung
Hänsel und Gretel im Bilderwald. Illustrationen romantischer Märchen aus 200
Jahren statt, zu der die USB Köln ebenfalls Prüssen-Werke zur Verfügung stellt.
Typographische Dichterportraits. Die Officina Ludi trumpfte auf der
Frankfurter Buchmesse im Oktober 2011 mit einem in jeder Hinsicht
beachtenswerten Buchobjekt auf. Die außergewöhnliche Edition unter dem Titel
Typoeten fällt einerseits durch die gediegene, originelle Gestaltung und
hochwertige Ausstattung andererseits durch einen geradezu bemerkenswert
günstigen Preis auf. In einer solide gearbeiteten lackierten Holzkassette mit
der Darstellung von Hermann Hesse (Siebdruck) auf dem Vorderdeckel befinden sich
24 Porträts von berühmten, heute noch gern gelesenen Dichtern und
Schriftstellern. Der Hamburger Graphiker Ralf Mauer hat mit dem wichtigsten
Material aus dem Setzkasten, also lediglich Buchstaben, Satzzeichen und Zahlen,
die Brust- bzw. Kopfporträts von Frauen (allerdings nur Annette v.
Droste-Hülshoff und Virginia Woolf) und Männern, von Hans Christian Andersen
über Goethe, Heine, Hemingway bis Oscar Wilde, geschaffen. Wir kennen ähnliche
Darstellungen auch von anderen Graphikern und Typographen, aber so konsequent,
die Mittel betreffend, und so erkennbar das jeweils Typische mit künstlerischer
Intuition herausarbeitend, ist diese Art der Gestaltung höchst selten.
Auf der Vorderseite des italienischen Aquarellkartons (250 g/qm, 31,2 x 21,2 cm)
befindet sich das Dichterporträt in Buchdruck, jeweils farblich unterlegt. Jedem
Dichter ist eine andere Schriftart gewidmet. Auf der Rückseite ist zunächst der
jeweils verwendete Zeichensatz abgedruckt, darunter eine farbige Vignette aus
diesem Zeichensatz „komponiert“ und dann ein autobiographischer Text des
Dichters über den Satz oder die Gestaltung seiner Bücher. Diese Sätze sind
allerdings alle in der gleichen kursiven Antiqua gesetzt. Sie sind hoch
interessante Belege für die Bedeutung, welche Dichter auch der äußeren Gestalt
ihrer Werke beimessen und inwieweit sie darauf Einfluß zu nehmen versuchen. Das
Nachwort von Claus Lorenzen erläutert den Schaffensprozeß des Graphikers und
gibt Hinweise zu den Texten der Dichter. Es schließt sich ein ausführlicher
Quellennachweis an.
Ralf Mauer, Jahrgang 1944, hat eine Schriftsetzerlehre absolviert und dabei
natürlich mit dem Bleisatz gearbeitet. Nach einem Graphikstudium war er bis zu
seiner Pensionierung vor einigen Jahren für Werbeagenturen und Verlage tätig.
Sein Hauptinteresse gilt weiterhin der Typographie und ihren
Einsatzmöglichkeiten. Die Kassette ist im Buchhandel erhältlich (ISBN
978-3-00-035310-9, Euro 29,90). Es gibt auch eine Vorzugsausgabe, in der sich
vier weitere signierte Porträts befinden, die im Buchdruck gedruckt wurden (125
Exemplare, Euro 138,–).
Ferdinand Puhe
Zweimal Bürgermacht & Bücherpracht in Augsburg. 2011 fanden im Augsburger
Maximilianmuseum zwei Ausstellungen unter dem Motto Bürgermacht & Bücherpracht
statt. Die erste Ausstellung dokumentierte die gesamte
Familiengeschichtsschreibung in Augsburg von ihren Anfängen im Spätmittelalter
über ihren Höhepunkt zwischen 1540 und 1560 bis zum Ausklang Mitte des 18.
Jahrhunderts. Dazu erschien das Katalogbuch: Bürgermacht & Bücherpracht:
Augsburger Ehren- und Familienbücher der Renaissance. Hrsg. v. Christoph
Emmendörffer u. Helmut Zäh. Luzern: Quaternio Verlag, 2011. 326 S. Pp. 4°. Euro
29,90. ISBN 978-3-905924-04-6. Im Mittelpunkt der Ausstellung stand die
Erwerbung zweier herausragender Familienbücher der Fugger, Das Geheime Ehrenbuch
der Fugger (1545-1549) und die Fuggerorum et Fuggerarum imagines (1593 und
1618-1620), beide 2009 aus Privatbesitz für die Bayerische Staatsbibliothek
München erworben und erstmals in München in der Ausstellung Fugger im Bild 2010
gezeigt und in einem Katalog beschrieben. Das Ehrenbuch ist ein herausragendes
Produkt der Augsburger Buchmalerei der Spätrenaissance und eines der
bedeutendsten Familienbücher des deutschsprachigen Raumes. Die für den
Familiengebrauch erschienene Kupferstichfolge beeindruckt durch den großen
Umfang und die hohe Qualität der kolorierten Drucke. Neben diesen beiden
berühmten Dokumenten zeigte die Augsburger Ausstellung die Familienbücher der
anderen politisch und wirtschaftlich führenden Familien wie derer von Stetten,
Sulzer und Rehlinger. Dieser umfassende Überblick ist Teil der systematischen
Bearbeitung Augsburger Familienbücher. Die Exponate zeigen die hohe Kunst der
Augsburger Buchmalerei. Die einführenden Beiträge, insbesondere zum Patriziat in
Augsburg vom 15. bis zum 17. Jahrhundert, zu den Augsburger Ehren- und
Familienbüchern und zu den bebilderten Geschlechterbüchern, sowie die
Beschreibungen der einzelnen Exponate verleihen dem Katalog den Charakter eines
Handbuches.
Die zweite Ausstellung, zu der ebenfalls ein Katalog vorliegt, befaßte sich mit
zwei Prachtcodices aus der Werkstatt von Jörg Breu d.J., die sich in
ausländischen Museen befinden und erst- und wohl auch einmalig für kurze Zeit an
den Ort ihrer Entstehung zurückgekehrt sind: Bürgermacht & Bücherpracht. Die
Augsburger Prachtkodices in Eton und im Escorial. Hrsg. v. Christoph
Emmendörffer u. Helmut Zäh. Augsburg: Wißner-Verlag, 2011. 190 S. Pp. 4°. Euro
19,–. ISBN 978-3-89639-812-3. Die Ausstellung ermöglichte erstmals eine
vergleichende Zusammenschau, die bislang durch die unterschiedlichen Heimatorte
der beiden Codices nicht möglich war. Im Katalog werden die Codices und ihr
Inhalt ausführlich beschrieben, Angaben zur Entstehung der Codices gemacht und
zahlreiche Beispiele in Bildtafeln gezeigt. Beide Kataloge bestechen durch
exzellente Beiträge, die hervorragende Qualität der Bebilderung und eine
angemessene Erschließung. Mit ihnen und den Ausstellungen wurde Neuland bei der
Aufarbeitung des kulturellen Erbes der Reichsstadt Augsburg (1276-1805)
betreten.
Dieter Schmidmaier
Die Ungarische Bibliothek in der Universitäts- und Landesbibliothek
Sachsen-Anhalt – eine erfreuliche Ergänzung. Die Hallenser Universitäts- und
Landesbibliothek verwahrt seit der Vereinigung der Universitäten von Wittenberg
und Halle 1823 einen ganz besonderen Schatz, die Bibliotheca Nationis Hungariae,
auch Ungarische Nationalbibliothek genannt. In den MARGINALIEN, H. 182, 2006,
meldeten wir auf den Seiten 104-105, daß mehrere Zäsuren Umfang und Standort der
Ungarischen Bibliothek veränderten. So wurden 1921 wertvolle Bestände
herausgelöst und in dem an der Friedrich-Wilhelms-Universität neu gegründeten
Finno-Ugrischen Institut aufgestellt. Diesen Standort garantierte eine 99jährige
Leihfrist. Nun konnte die 1228 Bände umfassende Sammlung bereits vor Ablauf
dieser Frist nach Halle zurückkehren. Sie umfaßt Handschriften, Inkunabeln und
zahlreiche Drucke aus dem 16. bis 19. Jahrhundert. Der Katalog zur Sammlung
erschien 2005: Bibliotheca Nationis Hungariae. Die Ungarische Nationalbibliothek
in der Universitäts- und Landesbibliothek Sachsen-Anhalt in Halle. Der Katalog
aus dem Jahr 1755. Textausgabe der Handschrift. Hrsg. v. Ildikó Gábor.
Hildesheim: Olms, 2005. 272 S. Pp. 8°. 49,80 Euro. ISBN 3-487-13002-5.
Dieter Schmidmaier
Hans Stulas bibliophile Abenteuer. „Sammler sind glückliche Menschen“,
lautet das Motto, das Hans Stula seinen Erinnerungen an fünfzig Jahre Erlebnisse
und Begegnungen in der Kunst- und Bücherwelt vorangestellt hat. Sie sind Ende
2011 in einem kleinen, reizenden Bändchen erschienen: Hans Stula, Kunsthändler
und Antiquare. Des Sammlers Freud und Leid. Herausgegeben für die Teilnehmenden
des Hannoverschen Bibliophilen-Abends von Hans-Peter Schramm. Hannover 2011. 76
S., mit 12 Abb. Kl.-8° quer. Br. Man könnte den Inhalt des Buches metaphorisch
zusammenfassen: Hans Stula hat ein silbernes Löffelchen verschluckt, denn das
Glück hat ihn auf allen bibliophilen Wegen nie verlassen. Seine Passion
entwickelte sich schon in der Studienzeit, die der spätere Sachverständige für
Kunst und Antiquitäten in der altehrwürdigen Alma mater in Göttingen verbrachte.
Eine Antiquarin bot ihm seinerzeit an, sich die erwünschten, aber für ihn
unerschwinglichen Drucke durch Hilfsdienste zu erarbeiten. Besonders angetan
hatten es ihm die alten Stiche, für die die Patronin nur Verachtung übrig hatte:
Für sie waren es nur Überreste von „geschlachteten Büchern“. Am Ende des
Studiums nannte er bereits 7000 Graphiken sein eigen, darunter Bilderbögen,
Landkarten, aber auch Künstlergraphik von Chodowiecki und Ramberg.
Almanache, Halle-Literatur und -Graphik sowie studentische Stammbücher wurden
seine Hauptsammelgebiete. Die Suche danach brachte ihn in Kontakt mit
zahlreichen Kunsthändlern und Antiquaren, vorwiegend in Göttingen, Hannover,
Halle und Berlin. Die Erinnerungen an hervorragende und skurrile Vertreter
dieser Berufsgruppen bilden den Hauptteil des Buches. In einigen Fällen erlebte
er im Laufe der Jahrzehnte mehrere Generationen in einem Geschäft. Liebevoll
schildert er beispielsweise Hermann Mooshage in Hannover, der einst mit einem
Bücherkarren begonnen hatte und dann mit Antiquitäten und auch alten Büchern
handelte. Er konnte augenblicklich von jovial auf griesgrämig umschalten, wenn
ihm ein Besucher nicht paßte. Vor Stulas Augen zerriß er einen Stapel
Stahlstiche, weil ein Knicker deren Wert herabhandeln wollte: „Wenn die nichts
taugen, dann sind sie auch nichts wert“. Die einzelnen Episoden sind nach den
Hauptorten seiner Erwerbungen, Hannover und Halle, geordnet. Ein eigenes Kapitel
ist den Antiquariatsmessen mit ihren Usancen und Ritualen gewidmet. Einen Exkurs
bilden die Souvenir-Rosen des Verlages C. Adler, fein geschnittene und gefaltete
Druckwerke mit jeweils mehreren Stahlstich-Ansichten eines Ortes. Stula erwarb
einst unbedarft einen ganzen Karton, der sich als Schatzkästchen erwies, und
mußte dennoch lange suche, ehe er die Krönung für sich, die Rose von Halle,
endlich ersteigern konnte.
Stula, der aus Halle stammt, behielt seine Heimatstadt immer im Herzen und trug
aus diesem Grund eine der bedeutendsten Hallensia-Sammlungen in Privatbesitz
zusammen. Zahlreiche Stücke kaufte er bei seinen Besuchen in der Saalestadt, gut
gerüstet mit der D-Mark sowie Kaffee und Zigaretten als Gastgeschenken. Neben
Erlebnissen vom glücklichen Finden stehen hier auch Anekdoten, die vom
Überlisten der Zollbeamten künden. – Die fadengeheftete Broschur erscheint in
einer Auflage von 250 numerierten Exemplaren, die direkt beim Pirckheimer-Freund
Hans Stula zum Preis von ??? bezogen werden können. Die Vorzugsausgabe mit einer
lose beigelegten, kleinen Originalgraphik des 18. oder 19. Jahrhunderts ist
leider bereits vergriffen.
C. W. |