Erstmals seit dem Herbst 2000 wird am 8. und 9. Mai 2009 wieder eine Antiquariatsmesse in München stattfinden. Das lässt aufhorchen. Seit Jahren schon ist unter Antiquaren, aber auch von Kunden nachgefragt, eine neu zu gründende Antiquariatsmesse in München im Gespräch.

München mit seinem großen Einzugsgebiet nach Österreich und Norditalien hatte bereits in den Jahren 1979 bis 1984 eine solche im Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz, organisiert vom Antiquar Bierl. Sein Kollege Thursch bemühte sich im Herbst 2000 im „Bayerischen Hof“ zu München um eine Antiquariatsmesse. Dieser Versuch fand jedoch gleichzeitig mit der Gründung der Liber Berlin statt und konnte dem Druck nicht standhalten, da der Herbst mit damals drei Messen in Deutschland (Hamburg, Berlin und München) überbelegt war. Damit war München als Messestandort für alte Bücher und Graphik zunächst außen vor.

Um so erfreulicher ist nun die Nachricht, dass die beiden Antiquare Daniel Osthoff, Würzburg, und Matthias Loidl, Unterreit bei Wasserburg, einen neuerlichen Versuch zu einer Antiquariatsmesse in München starten. Am alten Standort, jedoch im Frühjahr – das aufblühende Frühjahr soll sich auf die Messe übertragen, erwarten 53 Händler aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, den Niederlanden sowie aus den USA ihr Publikum im Münchner Künstlerhaus.

Die Veranstalter der MonaLibri sehen in der stark kulturell geprägten Stadt - zudem eine der größten Bücherstädte der Welt - mit ihrem weiten Einzugsgebiet eine sehr gute Chance, auf Dauer eine Antiquariatsmesse zu installieren, zumal der gesamte Südosten Deutschland als auch Österreich diesbezüglich seit Jahren ein Brachland darstellt.

Daniel Osthoff, Jahrgang 1959, studierte von 1982 bis 1988 in Würzburg Germanistik. Noch im Jahr seiner Studienbeendigung gründete er in Würzburg sein Geschäft, das bis heute als Ladengeschäft Bestand hat. Über 90 Kataloge brachte er seither hervor. Zu den Schwerpunkten seines Geschäftes gehören Altphilologie, Deutsche Literatur des 18. bis 20. Jahrhunderts, speziell die klassische Moderne sowie Stefan George und sein Kreis. Abgerundet wird diese Palette durch Franconia. Daniel Osthoff betreibt außerdem einen Kleinverlag für den Nachdruck von Bibliographien und verfasste des weiteren eine Bibliographie zu Max Dauthendeys Schriften. Sein persönliches Interesse gilt der klassischen Moderne.

Matthias Loidl, Jahrgang 1963, gründete 1987 nach einem mehrjährigen Volontariat in einem Antiquariat sein eigenes Geschäft. Er konzentriert sich auf die Schwerpunkte Moderne Bibliophilie, Kunst, Buchwesen und Literatur. Sein besonderer Akzent bildet die Literatur von und über Thomas Mann. Im Jahre 1989 brachte Matthias Loidl seinen ersten großen Katalog heraus, bis heute sind es insgesamt circa 60. Zu den persönlichen Interessen gehören bibliophile Bücher des 20. Jahrhunderts. Um diese Facette seiner Interessen stärker zu gewichten, gründete er im Jahre 1991 die Antinous Presse, in der bislang knapp 20 Pressendrucke mit Originalgraphiken und in Handeinbänden sowie eine Bibliographie zum buchkünstlerischen Werk von Heinrich Vogeler erschienen sind.

Matthias Loidl und Daniel Osthoff kündigen an, um die Antiquariatsmesse herum „einen Rahmen zu schaffen, der die Messe für Händler und Sammler zu einem Erlebnis machen soll“.

Dazu zählen der erste Messeabend, an dem Antiquare und Sammler die Möglichkeit haben, sich im hauseigenen Restaurant „Lutter & Wegner“ des Künstlerhauses mit Loggia, Schauküche und Dachterrasse fern vom Messetrubel auszutauschen. Eigens hierfür haben die Veranstalter den mit Möbeln von Mies van der Rohe, Lampen von Louis Poulsen und anderen Highlights ausgestatteten Raum angemietet, der eine Symbiose aus Bar, Lounge und Restaurant bildet. Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass allein die Weinkarte über 350 Weine umfasst.

In der ebenfalls im Künstlerhaus integrierten Lithographie-Werkstatt wird es für die Messebesucher Führungen mit dem Werkstattleiter geben. Anhand eindrucksvoller Steindruckpressen und Steinplatten wird authentisch Senefelders vor mittlerweile 200 Jahren entdeckte Drucktechnik demonstriert.

Ein jährlich wechselndes Rahmenthema, unter das die Messe gestellt wird, soll ebenfalls beitragen, die MonaLibri zu einem besonderen Erlebnis werden zu lassen. Die 1. MonaLibri wird unter dem Motto „Jüdische Kultur in Buch und Graphik“ stehen. Hierzu wird in einem Sonderraum eine Kabinettausstellung zum Thema zu sehen sein, und die an der Messe teilnehmenden Händler wurden eingeladen, dieses Rahmenthema bei der Auswahl ihres Angebotes zu berücksichtigen.

Mit der Wahl dieses ersten Rahmenprogramms möchten die Veranstalter bewusst die Historie des Veranstaltungsortes thematisieren. Am Vorabend der Messe findet die Eröffnungsveranstaltung statt. Der in bibliophilen Kreisen und darüber hinaus bestens bekannte Professor Reinhard Wittmann aus Fischbachau wird einen Vortrag mit dem Titel „Schicksale jüdischer Antiquariate im Dritten Reich“ halten und über die Situation jüdischer Antiquare in München, die Enteignung jüdischer Privatsammlungen und deren Nutznießer referieren. Ein Streichquartett der Münchner Philharmoniker wird Werke jüdischer Komponisten darbieten, des weiteren ist eine belletristische Lesung angedacht. Es sei daran erinnert, dass direkt neben dem Künstlerhaus die Hauptsynagoge Münchens stand, die 1887 als die damals drittgrößte Synagoge Deutschlands eingeweiht wurde, und die am 9. Juni 1938 auf persönlichen Befehl des „Führers“ abgerissen wurde. Mit der Wahl dieses ersten Rahmenprogramms möchten die Veranstalter auch der häufigen Bezeichnung des jüdischen Volkes als das „Volk des Buches“ gerecht werden und ebenso die Rolle, die die jüdische Kultur für den antiquarischen Buchhandel in der Vergangenheit gespielt hat und heute noch spielt, betonen.

Im schönen Ambiente des Künstlerhauses am Lenbachplatz wird es viele Möglichkeiten zum Schauen und Staunen, zum persönlichen Erfahrungsaustausch und zur Beaugapfelung vieler Bücher mit allen Sinnen geben – ein echter Kontrapunkt zur zumeist anonymen Welt des Internets, zu dessen Erfolg den beiden Veranstaltern nur viel, viel Erfolg gewünscht werden kann!

Zum Schluss sei noch auf ein Detail hingewiesen, welches die Sorgfalt von Daniel Osthoff und Matthias Loidl bei der Konzeption der Antiquariatsmesse und der Entwicklung eines bibliophil angelehnten Designs zur Schaffung einer Corporate Idendity veranschaulichen soll: das Logo der MonaLibri. Drei aufgeklappte Bücher bilden die Initialbuchstaben „M“ und „L“.

Detaillierte Informationen zur Messe werden ab dem Frühjahr 2009 auf der MonaLibri-Website unter der URL http://www.monalibri.de abrufbar sein. Postalisch sind die beiden Veranstalter bereits jetzt unter dieser Adresse konktaktierbar: Loidl & Osthoff GbR, z Hd. Herrn Daniel Osthoff, Martinstraße 19, D-97070 Würzburg; Telefon 00 49 / (0)9 31 / 57 25 45 oder 00 49 / (0) 80 73 / 25 55, E-Mail info@monalibri.de.

Torsten K. D. Himmel
(12. Dezember 2008)