Zwei gelobte Orte
Heidelore Kneffel
Nordhausen/Limlingerode (nnz). Drei
Tage lang besuchten 60 Mitglieder und Anhänger der Pirckheimer Gesellschaft mit
Sitz in Berlin unsere Region. Diese Vereinigung von Sammlern bibliophiler
Bücher, von Grafiken, Lesezeichen und anderer um das Bücherleben versammelter
Dinge begleitete Heidelore Kneffel für die nnz.
Die Pirckheimer Gesellschaft wurde am 29. Januar 1956 in Ostberlin gegründet und
nach 1990 zu einer in ganz Deutschland bekannten Gesellschaft. So trafen sich in
Nordhausen und Limlingerode Männer und Frauen aus Dortmund bis Neubrandenburg.
Und, um es gleich vorweg zu nehmen, sie waren des Lobes voll über die Stadt am
Harzrand und das Dörfchen an der Sete.
Jedes Jahr im September begeben sich die Pirckheimer zu ihrer dreitägigen
Jahrestagung an andere Orte in Deutschland. Vor knapp einem Jahr wurde der
Vorstand des Fördervereins „Dichterstätte Sarah Kirsch“ befragt, ob er die
Zusammenkunft 2005 organisieren würde. Das der Lyrik gewidmete Haus in
Limlingerode wäre ihnen empfohlen worden. In dieser Dichterstätte ist
Gastfreundlichkeit Gebot, so wurde zugestimmt. Da schönstes Wetter an diesen
drei Herbsttagen herrschte, war von dieser Seite bestens vorgesorgt. Am
Freitagnachmittag war der Tabakspeicher Ort des Geschehens. Eine im
Herbstschmuck leuchtende Tafel empfing die Pirckheimer.
Simone Laqua als Hausherrin, Sonja Erlenburg und Klaus-Dieter Werther als
Vorstand des Vereins „Tabakspeicher“ begrüßten die Gäste, die in einem
Landesgartenschau-Beutel Informationsmaterial und ein gesponsertes Fläschchen
„Echter Nordhäuser Doppelkorn“ vorfanden.
Die Gästeführergilde in Person von Dorothee Schwarz und Klaus-Uwe Koch
geleiteten die Gäste durch die Altstadt zu „St. Blasii“, zum Dom, zum
Stadtmauerring, zum Rathaus, zur Rautenstraße. Nordhausen war den meisten ein
weißer Fleck auf der Karte gewesen und deshalb war man angenehm überrascht, so
ein abwechslungsreiches Stadtbild zu erleben. Die beiden Gästeführer wurden
reichlich mit Dank verabschiedet. Es gehört zu den Zusammenkünften, dass man
einem Künstler der jeweiligen Region eine Grafik für das Jahrestreffen in
Auftrag gibt. Gerd Mackensen schuf drei Kaltnadelradierungen zu den
mythologischen Themen „Leda mit dem Schwan“ und „Das Parisurteil“. Nach der
Mitgliederversammlung wurde der Tabakspeicher besichtigt und historische Filme
angesehen. Großes Lob für das Team des Tabakspeichers beschloss den Tag.
Am Sonntag war Limlingerode das Ziel. Im Dorfgemeinschaftshaus las Wulf Kirsten
aus seinem Gedichtband „Erdlebenbilder“ und aus zwei unveröffentlichten
Prosastücken. Eines enthält das Porträt eines Dresdner Künstlers, dem Kirsten
zweimal zum Porträt saß, das Zweite schildert eine nächtliche Radfahrt auf der
Autobahn von Berlin Richtung Dresden, die Kirsten 1952 unternahm und die ein
jähes Ende an einer gesprengten Brücke über die Spree fand. Eine große Schar
guter Geister muss Kirsten beigestanden haben.
In der Dichterstätte wurde die Kunstausstellung mit Holzschnitten Petra
Albrechts und Malereien von Karin Kisker besichtigt, das Kunstbuch in
Augenschein genommen und von so manchem erworben. Eine lange Kaffeetafel lud zum
Kuchenessen ein. Bevor es am frühen Nachmittag mit einer Lesung der in Weimar
lebenden Autorin Gisela Kraft über die Romantiker in Jena weiterging,
lustwandelten die Männer und Frauen auf dem „Grünen Junipfad“. Man
beglückwünschte die Gemeinde und den Förderverein, dass sie ein so einmaliges
Dichterhaus mit den Fördermitteln schaffen ließen. Man werde es wärmsten
empfehlen.
Am Abend gab es im Ratskeller ein Festessen, bestens angerichtet vom Team um
Enrico Braun. Es ist Tradition, dass eine künstlerisch gestaltete Speisekarte
gereicht wird. Diese gestaltete Karin Kisker mit einem Holzschnitt der Königin
Mathilde, die den Pirckheimern ja vielfach nahe gebracht worden war, und
zahlreichen Bezügen zu Wilibald Pirckheimer, dem Freund Albrecht Dürers und
großem Büchersammler seiner Zeit, nach dem sich die Gesellschaft ja benannt hat.
Am Sonntag besuchte man das Kunsthaus Meyenburg, war angenehm überrascht über
die Grafikausstellung zum 4. Grafikpreis und über die Präsentation der
Kunstsammlung Ilsetraut Glocks. Park und Turm wurden in den Rundgang mit
eingeschlossen. Man zog symbolisch alle Hüte.